
Spätestens seit die Investorenlegende Warren Buffet vor einigen Monaten verstärkt in den amerikanischen Luftfahrtsektor eingestiegen ist, geniesst das Geschäft unter Investoren neues Vertrauen. Wenn einer wie Buffet einsteigt, der das Fluggeschäft über Jahre als Todesfalle bezeichnete, dann muss sich etwas Grundlegendes geändert haben. Die Sogwirkung von Buffet zog praktisch alle Aktien aus dem Airline-Segment in die Höhe. Auch unser ehemaliger Depotwert Ryanair avancierte kräftig und notierte vor wenigen Tagen auf einem neuen Allzeithoch bei EUR 17.40. Teuer ist die Aktie deshalb aber noch nicht. Das KGV beläuft sich auf gut 14 und liegt somit noch unter dem historischen Durchschnitt von 15. Zugleich deutet das PEG von 0.7 daraufhin, dass die Aktie noch reichlich Luft nach oben haben sollte. Zur besseren Investorenstimmung passen auch die günstigen Fundamentaldaten. Die Konjunktur entwickelt sich weltweit robust, die Passagierzahlen steigen und der Öl- und somit der Kerosinpreis ziehen nicht übermässig an. Zugleich kann Ryanair – dank einer rigorosen Kostenkontrolle – mit extrem attraktiven Flugpreisen arbeiten. In einem Gespräch mit der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“ schloss Ryanair-Chef Michael O`Leary selbst Flugtarife von null nicht aus. Das Unternehmen würde dann eben an Servicegebühren sowie den Erlösen durch Verkäufe an Bord verdienen – dieses Geschäft generiert bereits heute gut 30% der Erlöse. O‘Leary scheut sich nicht davor, auch Gedankenspiele der eigenen Kannibalisierung durchzuspielen, wie er mit seinen Vorstössen punkto Flüge ohne Piloten, Stehplätzen und Toilettengebühren bereits mehrfach bewiesen hat. Klappern gehört zum Geschäft und der CEO schafft es damit regelmässig in die Schlagzeilen. Nachdem Ryanair den europäischen Kontinent erobert hat und nun auch verstärkt an die internationalen Drehkreuze strebt (wie beispielsweise Frankfurt am Main), scheint der nächste Expansionsschritt der Billigfluglinie bereits in der Mache: So sollen bald auch in Lateinamerika Ryanairs Billigtarife angeboten werden. Die Masche von Ryanair zieht bei Konsumenten. Im April erreichte die Fluggesellschaft eine Auslastung der Maschinen von beeindruckenden 96%. Zum Vergleich: Die Lufthansa kommt in der Regel auf Werte um 80%. Die irische Fluggesellschaft hat gegenüber vielen Wettbewerbern einen enormen Kostenvorteil (auch dank eines sehr guten Hedgings). Die Umsätze und Gewinne steigen stetig, wodurch die Bewertung der Aktie trotz der Kursavancen nicht hoch ist. Das jüngst erreichte Rekordhoch dürfte aus charttechnischer Sicht zudem ein neues, mittelfristiges Kaufsignal ausgelöst haben. Und das Momentum im gesamten Sektor spricht ohnehin für ein Engagement.
Konklusion:
Die Rahmenbedingungen für Airlines sind ausgesprochen gut. Allerdings bleibt die Branche für externe Schocks anfällig. Risikofreudige Investoren legen sich Ryanair ins Depot.