
Die jüngst vorgelegten Zahlen des Basler Pharmamultis lagen im Rahmen der Erwartungen – der Zahlenkranz lieferte dabei keinerlei grössere Überraschungen. Mit Genugtuung dürfte die Roche-Spitze jedoch die Wachablösung in der Schweizer Pharmabranche wahrgenommen habe. Mit etwas über CHF 50 Milliarden Jahresumsatz hat Roche den ewigen Wettbewerber Novartis – sowohl in absoluten Zahlen als auch punkto Wachstumsdynamik – überflügelt. Etwas enttäuschend war aus unserer Sicht der Ausblick für das laufende Jahr 2017. Der Umsatz soll im tiefen bis mittleren Prozentbereich wachsen. Das Kernergebnis soll im gleichen Umfang zulegen – eine Margensteigerung steht demnach nicht im Zentrum. Im Vorjahr war Roche noch etwas optimistischer punkto Gewinnentwicklung. Damals hatte die Konzernführung für 2016 ein deutlich dynamischeres Gewinnwachstum in Aussicht gestellt. Im Schnitt waren Analysten für 2017 von einem Umsatzwachstum von 7% und einer Steigerung des Kernergebnisses um ebenfalls 7% ausgegangen. Wir führen die konservative Prognose von Roche vor allem auf zwei Aspekte zurück. 1. Die Branche ist mit Blick auf die USA vorsichtig. Dort hat US-Präsident Donald Trump immer wieder die Preispolitik der Pharmakonzerne angeprangert. Allerdings ist derzeit noch völlig unklar, ob und in welchem Umfang Trump dagegen vorgehen will. 2. Der vorsichtige Ausblick ist ein Indiz dafür, dass Roche vor einem herausfordernden Jahr steht. Denn die Produktepalette des Konzerns steht weiter im Umbruch. In diesem Jahr läuft der Patentschutz für zwei grosse Krebsmedikamente (Herceptin und Mabthera) aus – sogenannte Biosimilars werden auf den Markt kommen und die Verkäufe der Roche-Präparate kannibalisieren. Um den Patentcliff zu überwinden, hat Roche seit 2015 bereits vier neue Medikamente auf den Markt gebracht, 2017 sollen zwei weitere folgen – darunter das Multiple-Sklerose-Präparat „Ocrevus“, mit dem der Konzern in einen ihm wenig vertrauten Bereich vorstösst. Die jüngere Geschichte in der Pharmabranche zeigt, dass solche Markteinführung nicht immer reibungslos über die Bühne gehen. Sie kosten vor allem Geld (für PR etc.), was sich negativ in der Margenentwicklung widerspiegelt. Vor diesem Hintergrund erscheint die Prognose für 2017 durchaus ansprechend. Insgesamt bleibt Roche vor allem für langfristig orientierte Anleger eine sehr interessante Anlageopportunität. Die Produktepipeline ist unseres Erachtens vielversprechend und dürfte auf lange Sicht das Umsatzwachstum wieder beschleunigen. Auf dem gegenwärtigen Kursniveau erscheint uns das Papier im Vergleich zur Konkurrenz leicht unterbewertet.
Konklusion:
Wir empfehlen, die Aktie des Schweizer Pharmamultis zu kaufen. Die langfristigen Aussichten des Konzerns sind attraktiv und die Aktie ist unserer Ansicht nach leicht unterbewertet.