
Der Schweizer Luxusgüterkonzern scheint nach dem Pandemieschock im Frühjahr 2020 langsam wieder in die Erfolgsspur zurückzufinden. Die vor wenigen Tagen vorgelegten Zahlen für das erste Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres 2020/21 waren punkto Umsatz und Gewinn deutlich besser als erwartet. Zwar sanken die Erlöse zwischen April und September um 26% auf EUR 5.5 Milliarden. Die Konsensprognose der Analysten lag aber nur bei EUR 5.1 Milliarden. Unter dem Strich konnte Richemont einen Gewinn von EUR 159 Millionen ausweisen, was einem Rückgang von 82% gegenüber der vergleichbaren Vorjahresperiode entspricht. Auf dem Handelsparkett hatte man die Messlatte aber noch deutlich tiefer gelegt und einen Gewinn im einstelligen Millionenbereich in Aussicht gestellt. Die Gründe für diese überraschend positive Entwicklung sind schnell aufgezählt. Einerseits konnte der Luxusgüterkonzern die Marketingausgaben – gezwungenermassen – im ersten Halbjahr deutlich zurückschrauben. Die meisten Luxus-Messen, wie beispielsweise der Genfer Uhrensalon, fielen in diesem Jahr den Pandemie-Restriktionen zum Opfer, wodurch auch zahlreiche andere Werbemassnahmen nicht durchgeführt werden konnten. Andererseits entwickelte sich das Schmuckgeschäft, welches im zweiten Quartal sogar wieder Zuwächse verzeichnen konnte (Q2-Umsatz: +4%) und die Onlineplattform des Unternehmens dynamischer als erwartet. Die grösste Schwachstelle bleibt aber das Uhrengeschäft, dessen Umsatz in Hj.1 um 38% sank und einen Verlust von EUR 8 Millionen einbrachte. Regional war China wenig überraschend die Wachstumslokomotive im Konzern. Dort wuchs Richemont über alle Sparten hinweg um 78%, womit die Bedeutung der Region Asia-Pacific im Konzerngebilde weiter gestiegen ist. Mittlerweile generiert Richemont gut 50% der Umsätze in der asiatisch-pazifischen Region. Tendenz weiter steigend. Vor diesem Hintergrund müssen auch die neuen Online-Aktivitäten von Richemont beleuchtet werden. Rund USD 500 Millionen will der Konzern zusammen mit Partner Alibaba in die Luxus-Onlineplattform Farfetch sowie in ein mit Farfetch gegründetes Joint Venture in China schiessen. Man will sich ein Stück vom E-Commerce-Kuchen in China sichern. Zwar verfügt Richemont mit Yoox Net-a-Porter bereits über eine grosse Online-Plattform, welche sich aber nicht ganz so dynamisch entwickelt wie erhofft. Vor allem die fehlende Markenunabhängigkeit der Plattform wird von Dritten bemängelt.
Konklusion:
Richemont findet langsam in die Erfolgsspur zurück. Dennoch raten wir von Investments derzeit ab. Das Kurspotenzial erscheint uns im Vergleich zu Tech- oder klassischen Industrietiteln unattraktiv.