
Die allgemein harten Bedingungen auf dem europäischen Konsumgütermarkt hinterlassen auch bei Reckitt Benckiser deutliche Spuren. Zwar konnte der Konzern den Umsatz – dank des tiefen britischen Pfunds – um 15% auf GBP 2.6 Milliarden steigern. Rechnet man die Währungseffekte und die Einflüsse von Käufen bzw. Verkäufen von Unternehmensanteilen heraus, ist das Bild doch sehr viel nüchterner. Im sog. like-for-like-Vergleich stagnierte der Umsatz auf Höhe des Vorjahres. Es war das erste Mal in 15 Jahren, dass Reckitt bei diesem Vergleich nicht besser abschnitt. Damit entwickelte sich Reckitt Benckiser zudem schlechter als die Wettbewerber Unilever und Nestle, die aus eigener Kraft ein Umsatzwachstum von 2.9% und 2.3% erzielt hatten. Für das Gesamtjahr zeigt sich der Konzern dennoch zuversichtlich, den Umsatz auf vergleichbarer Fläche um 3% ausweiten zu können.
Insgesamt hinterlässt der Konsumgüterkonzern derzeit ein gemischtes Bild. Einerseits kämpft Reckitt mit einigen hausgemachten Problemen. So heisst es auf dem Handelsparkett beispielsweise, dass die Lancierung der neuen „Scholl“ Fusspflegeprodukte deutlich schneller über die Bühne ging als erwartet. Auch der Skandal um giftige Reinigungsmittel in Südkorea vor gut sechs Jahren – damals starben 100 Menschen – ist nicht vergessen und belastet weiter. Andererseits gefällt uns die Übernahmestrategie des Unternehmens nicht. Eigentlich wollte der Konzern im Bereich „Consumer Health“ Zukäufe tätigen. Da jedoch kein bezahlbares Unternehmen zum Verkauf stand, griff Reckitt für USD 16.6 Milliarden bei Mead Johnson Nutrition zu – einem Hersteller von Babynahrungsmittel. Nur Erfahrung hat Reckit in diesem doch sehr sensiblen Geschäftsumfeld keine. Zugleich ist die Zukunft der Ernährungssparte bei Reckitt jedoch völlig offen – viele Beobachter erwarten, dass Reckitt den Bereich verkaufen wird. Auch das passt mit der Expansion ins Baby-Nahrungsmittelgeschäft nur halbwegs.
Der Konzern steht u.E. vor einer schwierigen Zukunft, um organisches Wachstum zu generieren. Eine Einschätzung, die in den letzten Monaten auch in den Aktienkurs eingepreist wurde. Erstmals seit Dezember 2015 wird die Aktie gegenwärtig mit einem Abschlag gegenüber den Vergleichsunternehmen gehandelt. Aus unserer Sicht ist der bevorstehende Konzernumbau mit zahlreichen Risiken behaftet – vor allem die Expansion ins Baby-Nutrition-Geschäft erachten wir als höchst riskant. Zwar wächst dieser Bereich seit Jahren erfreulich gut. Doch das Geschäft ist zugleich höchst sensibel.
Konklusion:
Investierte Anleger sollten die Aktie auf dem gegenwärtigen Niveau halten und sich mit einem Stopp-Loss bei GBP 65 absichern. Wir ziehen Wettbewerber wie Nestlé oder Danone vor.