
Dass das Thema Cyber Security nicht nur für Nerds und Geeks interessant ist und ein eher nur hypothetisches Risiko darstellt, zeigt sich am Beispiel des britischen Konsumgüterkonzerns Reckitt Benckiser. Dieser musste jüngst seine Umsatzprognosen für das zweite Quartal und das Gesamtjahr zurückschrauben. Die Cyber-Attacke, die vor wenigen Wochen weltweit unzählige Computer lahmlegte, habe zu einem Produktions- und Auslieferungsunterbruch geführt, so Reckitt Benckiser. Einige Werke könnten derzeit immer noch nicht unter voller Last arbeiten. Zudem kann Reckitt Benckiser nach eigenen Angaben für einige Aufträge keine Rechnungen stellen. Das Unternehmen komme aber beim Wiederherstellen seiner Systeme voran. Für das gerade beendete zweite Quartal erwartet der Konsumgüterkonzern neu einen organischen Umsatzrückgang von 2%. Ohne die Attacke aus dem World Wide Web wäre der Umsatz stagniert. Einige der in dieser Zeit verlorenen Umsätze könnten jedoch in den drei darauffolgenden Monaten verbucht werden. Aber eben nicht alle – womit die Briten gezwungen sind, auch ihre Umsatzprognose für das Gesamtjahr zu reduzieren. Hatte man im April dieses Jahres noch mit einem organischen Erlöswachstum von 3% gerechnet, dürften es nach den jüngsten Schätzungen nur noch 2% sein. Neben der Cyber-Attacke spürt Reckitt aber auch einen grösseren Gegenwind aus Indien. Dort hat die Einführung einer neuen Mehrwertsteuer zu einer weniger dynamischen Geschäftsentwicklung geführt. Die Aktionäre nehmen die Umsatzwarnung der Briten sportlich. Zwar hat sich der Titel im Einklang mit dem Gesamtmarkt wieder von seinem jüngst erreichten Allzeithoch bei GBP 81.08 entfernt. Einen dramatischen Kurssturz, wie man ihn durch die Erfahrung der letzten Monate bei solchen Ereignissen durchaus hätte erwarten können, blieb jedoch aus. Dies dürfte auch daran liegen, dass das Ergebnis pro Aktie nur marginal durch die neue Umsatzprognose betroffen sein dürfte. Wir gehen davon aus, dass der Gewinn pro Aktie vielleicht 1% unter den Prognosen herauskommt. Allerdings häufen sich bei Reckitt Benckiser die Probleme bzw. die sog. «one offs», was Fragen bezüglich der Risikokontrollen im Konzern aufwerfen könnte. Belastet wird der Konzern derzeit vom De-Stocking von Scholl (Fusspflege), einem Ausfall in Südkorea, Probleme in Indien und nun die Cyber-Attacke. Die Aktie des Unternehmens wird derzeit mit einem 2018er KGV von 20 gehandelt, was in etwa dem Branchendurchschnitt entspricht. Angesichts der jüngsten Entwicklung bei Reckitt halten wir ein Premium für nicht gerechtfertigt.
Konklusion:
Bei Reckitt Benckiser treten immer mehr Problemfelder zutage. Investierte Anleger sollten die Aktie halten, Neu-Investments drängen sich derzeit nicht auf.