
Der österreichische Zweiradhersteller Pierer Mobility hat in den vergangenen Tagen seine Jahresprognose für 2020 zum zweiten Mal in zwei Monaten angehoben. Wie wir mehrfach beschrieben haben, hat sich der Zweiradmarkt von den erlittenen Einbrüchen im ersten Semester 2020 schnell und kräftig erholt. Nach dem Ende des Lockdown standen Motorräder und E-Bikes bei Konsumenten hoch im Kurs – statt sich in Bahn und Bus einer möglichen Infektion auszusetzen, griffen sie verstärkt auf Zweiräder zurück, um zur Arbeit zu fahren, Kurzausflüge zu machen oder einfach um von A nach B zu kommen. Neu rechnet unser Depotwert Pierer mit einem Jahresumsatz von rund EUR 1.5 Milliarden, womit der Rückschlag des ersten Halbjahres so gut wie wettgemacht ist. In 2019 erlöste Pierer EUR 1.6 Milliarden. Vor allem in den USA, aber auch in Europa brummen die Geschäfte. Allein im zweiten Semester 2020 dürfte Pierer EUR 900 Millionen umsetzen. Dies entspricht einem Plus von 17% gegenüber der vergleichbaren Vorjahresperiode.
Auch beim Ergebnis und dem Cashflow wird sich der Aufschwung bemerkbar machen. Für das operative Ergebnis auf Stufe Ebit rechnet Pierer Mobility mit einem Betrag von gut EUR 100 Millionen – vor Sondereffekten. Dies nährt die Hoffnung, dass der Zweiradhersteller das Jahr 2020 am oberen Ende der erwarteten Ebit-Margen-Spanne zwischen 4% und 6% abschliessen wird. Beim Cashflow hob der Konzern seine Erwartungen ebenfalls deutlich an – von mehr als EUR 30 Millionen auf mehr als EUR 130 Millionen. Die Pandemie hat im Bereich der Zweiräder eine massive Sonderkonjunktur ausgelöst. Zwar dürfte sich diese mit dem hoffentlich im Jahr 2021 einsetzenden Ende der Pandemie abschwächen. Wir gehen aber davon aus, dass sich der Trend zum Zweirad – vor allem E-Bikes und E-Rollern, die bald ins Produktportfolio von Pierer aufgenommen werden – zumindest im Jahr 2021 und 2022 halten wird. Denn wir gehen davon aus, dass die Konsumenten weiter den öffentlichen Verkehr meiden werden, um sich einer potenziellen Ansteckungsgefahr zu entziehen.
Konklusion:
Die Aktienkursrallye in den vergangenen Monaten nimmt viele positive operativen Entwicklungen vorweg. Das Papier ist mittlerweile ambitioniert bewertet. Haltenswert ist die Aktie aber allemal.