
Mit seinem Klima-Dekret will US-Präsident Donald Trump „den Krieg gegen die Kohle“ beenden. Doch das ist Augenwischerei – mehr nicht. Denn die Industrie steckt nicht erst seit wenigen Jahren in der Krise, sondern befindet sich seit Jahrzehnten im Niedergang – nicht nur in den USA, sondern überall auf der Welt. So importierte China im Jahr 2014 noch 1.7 Millionen Tonnen US-Kohle, 2015 waren es gerade noch 229‘000 Tonnen. Kein Wunder also, dass zahlreiche US-Kohleunternehmen in den vergangenen Jahren vor der Pleite standen und Gläubigerschutz beantragen mussten – Arch Coal, Peabody Energy oder Patriot Coal sind die wohl prominentesten Opfer. Unwidersprochen: Der „Sauber Energie-Plan“ der US-Regierung unter Barack Obama hat den Niedergang der Kohleindustrie forciert, aber er hat das Unausweichliche schlicht beschleunigt. Kohle, so die nüchterne Bilanz, ist ein Relikt der industriellen Frühzeit. 1985 arbeiteten auf dem Höhepunkt der Kohleindustrie noch 177‘500 Personen in der Industrie. Gut 30 Jahre später sind es nur noch gut 50‘000. Vor allem seit der Jahrtausendwende stieg der Druck auf die Branche: Die Schiefergasrevolution, welche den Preisvorteil der Kohle ausgelöscht hat, Kostensenkungen bei den Technologien zur Gewinnung erneuerbarer Energien, die gedrückte Nachfrage überhaupt nach Energie, Verlagerungen im globalen Verlangen nach Kohle sowie die sinkende Produktivität der Kohleminen. Und natürlich das reichlich vorhandene Erdgas, welches der Kohle als Energieträger das Leben schwermacht. Kommt hinzu, dass die Forschung nach immer neuen Energielösungen sucht. So gab es in den letzten Jahren durchaus bemerkenswerte Fortschritte im Bereich der Wasserstoff- und Brennstoffzellen, und die Nanotechnologie schürt seit längerem die Hoffnung, dereinst CO2 in Energie umzuwandeln. Auch auf Seiten der Investoren dürfte Trump mit seinen Plänen zur Wiederbelebung einer eigentlich schon fast toten Industrie wenig Euphorie schüren. Selbst in Australien, das die viertgrössten Kohlevorkommen der Welt hat, ist keine Pensionskasse und kein Fonds mehr zu begeistern. Das Problem ist ähnlich wie in den USA: Alte Gruben sind unrentabel. Und neue Minen zu erschliessen, kostet sehr viel Geld. Das Kohlezeitalter neigt sich dem Ende zu – auch wenn der fossile Brennstoff noch viele Jahre als Energieträger gefragt sein dürfte. Doch selbst Trump kann einer darbenden Industrie nicht zu neuem Leben verhelfen. Statt mit Heilsversprechen seine Anhänger zu locken, wäre Trump gut beraten, nach Lösungen zu suchen, wie die Arbeitskräfte, die diesem Strukturwandel zum Opfer gefallen sind, für neue Aufgaben fit gemacht werden können.
Konklusion:
Trump wird die ablaufende Lebensuhr der Kohleindustrie nicht wieder neu aufziehen können. Wir raten – trotz aller Trump-Fantasie – von einem Investment in die Branche nachdrücklich ab.