
Mit einer Marktkapitalisierung von EUR 677 Millionen und einem Streubesitz von nur gut 30% zählt das Bremer Familienunternehmen OHB (Orbitale Hochtechnologie Bremen) nicht gerade zu den typischen Werten, die wir an dieser Stelle besprechen. Dennoch sollten Investoren, die ein gewisses Mass an Risiko schultern können, die Chancen, die die Aktie des auf die Entwicklung und Herstellung von Satelliten spezialisierten Unternehmens bietet, nicht unterschätzen. Geschäftlich läuft es für das Familienunternehmen rund, wie die vor wenigen Wochen vorgelegten Halbjahreszielen bewiesen haben. Der Umsatz stieg von EUR 291 Millionen auf EUR 333 Millionen. Das Ebit kletterte trotz leicht erhöhter Abschreibungen um 7% auf EUR 19.3 Millionen. Wirklich beeindruckend sind jedoch die Auftragsbücher von OHB. Diese sind mit einem Volumen von EUR 2.2 Milliarden prall gefüllt. Die wichtigsten Orders sind der Bau von acht Satelliten für das europäische Navigationssystem Galileo sowie die Entwicklungsarbeiten und die Produktion von Raketenteilen für die europäische Trägerrakete Ariane 6. Auch die längerfristigen Branchenaussichten sind äusserst ansprechend. Denn das Satelliten-Geschäft steht nach Ansicht des Beratungsunternehmens Euroconsult vor einem Boom. Zwischen 2016 bis 2025 sollen sage und schreibe 9‘000 Satelliten ins All geschossen werden. Ein Wachstum von mehreren hundert Prozent gegenüber den 1‘480 Satelliten, die im Jahrzehnt davor den Weltraum eroberten. Selbst wenn Kleinstsatelliten herausgerechnet werden, dürfte die Zahl der ins All geschossenen Erdtrabanten um mehr als 50% steigen. Trotz eines erwarteten Preisverfalls dürfte der Markt für die Hersteller um 16% wachsen. Insgesamt erwartet Euroconsult für diesen Zeitraum einen Satelliten-Branchenumsatz von USD 280 Milliarden – mehr als drei Viertel davon für öffentliche Aufträge. Neben den geschäftlich rosigen Aussichten treibt ein weiterer Faktor die kurzfristige Kursfantasie an: Der Einstieg des amerikanischen Investors Guy Wyser-Pratt. Er fordert strategische als auch personelle Veränderungen bei OHB. Die Besetzung wichtiger strategischer Schlüsselstellen im Konzern mit Mitgliedern der Gründerfamilie Fuchs ist dem Investor ein Dorn im Auge. Zudem liebäugelt Wyser-Pratt mit dem Gedanken, das Unternehmen auf einen grösseren Expansionpfad zu schicken. So legte er dem CEO Marco Fuchs die Übernahme des italienischen Raumfahrtunternehmens Avio mit einem Börsenwert von EUR 350 Millionen nahe. Wyser-Pratt ist in Deutschlands Börsenwelt kein Unbekannte: Er war bei Stada, Kuka und Rheinmetall investiert und hat oft mit Erfolg Reformen bei den Unternehmen erzwungen. Die Aktie von OHB hat in den vergangenen gut vier Monaten bereits die erste Raketenstufe gezündet. Sofern Wyser-Pratt den Druck auf das Management weiter erhöht, hat die Aktie noch Luft nach oben.
Konklusion:
Anleger mit einer gewissen Risikoneigung sollten bei den Aktien von OHB zugreifen. Sollte Wyser-Pratt den Druck erhöhen, hat die Aktie noch gut 20% bis 25% Potenzial.