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Ölindustrie - Übernahmewelle rollt an

Die internationale Ölbranche könnte vor einer Fusions- und Übernahmewelle stehen. Zu diesem Schluss kommt die Beratungsgesellschaft A.T. Kearney in einer Studie. Sie befragte eine Reihe von Top-Manager aus der Öl- und Gasindustrie zu ihren Erwartungshaltungen betreffend Zukäufen und Fusionen in der Branche. Gemäss Angaben der Beratungsgesellschaft erwarten zwei Drittel der Befragten einen moderaten oder sogar aggressiven Anstieg der Deal-Aktivitäten. Damit deutet sich an, dass nach den massiven Einsparungen der zurückliegenden Jahre nun die Zeichen wieder auf Expansion stehen. Seit dem Einbruch der Ölpreise im Jahr 2014 wurden in der Branche angedachte Investitionen von rund USD 1‘000 Milliarden gestrichen und 440‘000 Arbeitsplätze wurden abgebaut. Allein im Jahr 2015 wurden geplante Zukäufe und Fusionen im Wert von USD 106 Milliarden auf Eis gelegt. Letzterer Punkt könnte sich nun in einer dynamischen M&A-Welle auflösen. Einerseits verfügen die Unternehmen nach den Sparmassnahmen wieder über gut gefüllte Kriegskassen, um solche kostspieligen Übernahmen zu stemmen. Im ersten Halbjahr 2017 haben beispielsweise die vier Branchenriesen Shell, Total, Exxon Mobil und Chevron ihre Gewinne dank des sich stabilisierenden Ölpreises im Jahresvergleich auf rund EUR 21 Milliarden fast verdreifacht. Europas grösster Ölkonzern Shell konnte den operativen Cashflow im ersten Semester 2017 im Vergleich zur Vorjahresperiode auf USD 20.8 Milliarden versiebenfachen. Andererseits sind Übernahmen für einige Branchenvertreter zugleich auch ein notwendiges Muss, um die Ölreserven wieder aufzustocken. Diese Reserven geben an, wie lange ein Konzern auf dem aktuellen Niveau Öl fördern kann. Bei Exxon Mobil belaufen sich die Reserven beispielsweise auf 13 Jahre – dem tiefsten Wert seit 1997. Noch kritischer ist die diesbezügliche Lage bei Shell. Der Konzern sitzt nur noch auf Reserven von 6 Jahren – so wenig wie zuletzt im Jahr 2008. Laut Berechnungen von A.T. Kearney hat die M&A-Welle im laufenden Jahr bereits an Höhe gewonnen. Allein im ersten Quartal 2017 stieg das Transaktionsvolumen in der Branche von USD 47 Milliarden im ersten Quartal 2016 auf USD 174 Milliarden – Tendenz weiter steigend. So kündigte beispielsweise der französische Ölmulti Total im August an, die Ölsparte der Reederei Moeller-Maersk für USD 7.45 Milliarden kaufen zu wollen. Fast zeitgleich kündigte der Bergbaukonzern BHP Billiton an, seine Schieferölförderung in den USA zu verkaufen. Wir gehen davon aus, dass vor allem finanziell angeschlagene Branchenvertreter die Gunst der Stunde nutzen, um sich von Teilen des Geschäftes zu trennen. Im gegenwärtigen Umfeld sind die Aussichten auf einen guten Verkaufserlös sehr gut.
Konklusion:
Es ist zu erwarten, dass die Ölbranche vor einer Fusions- und Übernahmewelle steht. Auf der Käuferseite dürften vor allem die grossen Spieler am Markt in Erscheinung treten.