
Die Aktie des amerikanischen Chipherstellers Nvidia hat seit unserem Einstieg – kurz nachdem der Crash seinen Tiefpunkt erreicht hatte – eine sehr ansprechende Performance aufs Parkett gelegt. Zwischenzeitlich notierte der Titel gut 70% über unserem Einstiegsniveau. In „normalen“ Zeiten würden wir nun über Gewinnmitnahmen nachdenken – nur sind es momentan keine „normalen“ Zeiten. Denn die Coronakrise hat das Potenzial, den Geschäftsgang von Nvidia nachhaltig zu befeuern. Bereits das erste Quartal 2020/21 (per 26. April) deutete an, wohin die Reise gehen könnte. Der Lockdown und der damit verbundene Zwang zum Home Office hat den Quartalsumsatz um 39% auf USD 3.08 Milliarden angeheizt. Unter dem Strich resultierte ein Gewinn von USD 1.80 pro Anteilsschein – ein Anstieg von 105% gegenüber der Vorjahresprognose. Vor allem das Segment „Data-Center“, indem sich der Trend zum Home Office primär niederschlägt, wuchs mit 80% auf USD 1.14 Milliarden unerwartet stark. Die neuen Nvidia-Chips DGX A-100 und die darauf basierenden KI-Lösungen für Cloud- und Rechenzentren sind bereits ein Bestseller. Und die Aussichten sind weiter sehr ansprechend. Die Ende April abgeschlossene Übernahme des Netzwerkspezialisten Mellanox dürfte den Geschäftsgang in dieser Sparte weiter antreiben. Zumal sich der Trend zum Home Office wahrscheinlich auch nach der Krise halten wird. Das Arbeitsmodell hat sich während der Krise als tragfähig erwiesen und zahlreiche Arbeitnehmer würden gerne dabei bleiben. In einem Interview mit „The Verge“ äusserte Facebook-Chef Mark Zuckerberg, dass er schätze, dass in gut zehn Jahren jeder zweite Beschäftigte des Social Networks im Home Office arbeiten werde. Twitter kündigte bereits an, dass alle Mitarbeiter auch nach dem Ende der Krise von zu Hause arbeiten könnten, wenn ihre Aufgabe dies zulasse. Wir erwarten, dass sich diese Entwicklung in der gesamten Arbeitswelt etablieren wird, was das Data-Center-Business nachhaltig anschieben sollte. Damit dürfte das Geschäft bei Nvidia zum zweiten wachstumsstarken Standbein werden.
Zugleich profitiert Nvidia auch von dem ohnehin stark wachsenden Gaming-Trend, welcher durch die Krise ebenfalls nochmals Schub erhielt. Die Sparte wuchs um 27% auf USD 1.34 Milliarden. Vor allem Grafikchips für Laptops sowie die eigene Cloud-Gaming-Plattform GeForce NOW befeuerten das Wachstum. Angesichts dieser Entwicklung blickt die Konzernführung sehr optimistisch auf das laufende zweite Quartal. Nvidia rechnet mit einem Umsatz von rund USD 3.65 Milliarden plus/minus 2% – dies entspricht einem Wachstum von 41% gegenüber Q2/2019. Der Gewinn soll bei gut USD 50 Millionen liegen.
Konklusion:
Wir bleiben bullish für den amerikanischen Chiphersteller Nvidia. Trotz der starken Kursrallye in den vergangenen Wochen hat der Titel noch reichlich Luft nach oben.