Nicht jeder Dividendenaristokrat wird seinem Ruf gerecht
Die Dividendensaison hat in der Schweiz gerade den Höhepunkt erreicht – nicht nur was den Takt der Ausschüttungen angeht, sondern auch was die Summe an sich betrifft. Gut CHF 37.5 Milliarden dürften die Unternehmen aus dem SMI an ihre Aktionäre ausschütten – vor fünf Jahren belief sich dieser Wert auf CHF 27.5 Milliarden. Und das, obwohl die Unternehmen nicht gerade mit ausgezeichneten Jahresabschlüssen glänzten. Die starke Bilanz, der nach wie vor ordentliche „Free Cashflow“ und hohe Reserven machen es möglich. Da wir zugleich damit rechnen, dass die Schweizer Unternehmen den Frankenschock mittlerweile überwunden haben und die Gewinne auf Jahressicht 2016 um geschätzt 8% zulegen dürften, stehen die Chancen gut, dass auch die Ausschüttungen für das laufende Geschäftsjahr weiter steigen. Dennoch sollten sich Anleger nicht in falscher Sicherheit wähnen. Denn das vergangene Jahr hat bewiesen, dass selbst die eingefleischtesten Dividendenzahler nicht vor harten Einschnitten gefeit sind – wenn es die Umstände erfordern. ConocoPhillips, BHP, Rolls-Royce, RWE oder Rio Tinto strichen ihre Ausschüttungen zusammen – ihnen waren die Dividenden bisher stets heilig. Auch in der Schweiz stehen bei einigen Unternehmen, die ihre Anleger über Jahre mit einer sehr ansprechenden Dividende beschenkt hatten, womöglich tief greifende Einschnitte bevor. Vor allem bei Zurich Insurance dürfte das Thema Dividendenkürzung in diesem Jahr nochmals hochkochen. Damit Anleger auf der Suche nach potenziellen Dividendenstars nicht aufs falsche Pferd setzen, gilt es bei der Titelauswahl einige Punkte zu beachten. Nach Ansicht der Société Générale sollten bei Investoren die Alarmsignale ertönen, wenn der Titel eine schwache Zwölfmonatsperformance, eine hohe Volatilität, eine niedrige Profitabilität (gemessen an Eigenkapitalrendite, Gesamtkapitalrendite und Höhe der Rückstellungen) sowie eine geringe Bilanzqualität aufweist. Im Umkehrschluss bedeutet dies, dass eine hohe Bilanzqualität und eine gute operative Performance darauf hindeuten, dass die Dividenden als vergleichsweise sicher einzustufen sind. Was zählt, ist der künftige Cashflows und der Preis, der für diesen Cashflow gezahlt werden muss. Aus unserer Sicht ist die Rendite auf den freien Cashflow für die Beurteilung der Dividendensicherheit bzw. -qualität ein besseres Mittel als die Dividendenrendite. Eine Studie von Credit Suisse HOLT bringt mit Blick auf den Deckungsgrad der Fixkosten (Fixed Charge Coverage Ratio) jedoch etwas Beunruhigendes zu Tage: Der Anteil besonders dividendenstarker Unternehmen in den USA, Japan und Europa ausserhalb des Finanzsektors, die nicht mehr genügend Cash zur Begleichung aller Verpflichtungen inklusive Ausschüttungen erwirtschaften, ist auf den höchsten Stand seit 2001 gestiegen. Das deutet auf neuerliche Dividendenenttäuschungen für das laufende Geschäftsjahr hin.
Konklusion:
Auch wenn es für die Schweizer Dividendenjäger für das laufende Jahr noch gut aussieht, könnte in Europa so mancher Dividendenthron wackeln.