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Netflix

Der Aktienkurs des amerikanischen Streamingdienstes befindet sich in einem regelrechten Rausch. Wir hatten die Aktie von Netflix in Ausgabe 01/2018 bei USD 209.31 auf „Kaufen“ heraufgestuft und auf eine kurzfristige Kursexplosion infolge aufkommender Übernahmegerüchte gesetzt. Was in den gut drei Monaten seit unserer Empfehlung passiert ist, hat unsere kühnsten Erwartungen bei Weitem übertrumpft. Der Kurs stieg in der Spitze um über 70%. Aktuell notieren die Papiere um die Marke von USD 325. Man muss mittlerweile festhalten, dass die Aktie jegliche Bodenhaftung verloren hat – eine Entwicklung, die sich unserer Ansicht nach fortsetzen wird. Dies bedeutet im Gegenzug, dass die Fallhöhe enorm ist, wenn den Anlegern die Lust an Netflix dereinst vergehen wird. Dieser Punkt ist derzeit aber noch nicht zu sehen, zu stark erscheint uns die Attraktivität der Netflix-Wachstumsgeschichte.
Vertragliche Verbindlichkeiten sind ein Damoklesschwert
Aber Anleger sollten die Risiken kennen – denn der Weg, den der Streamingdienst geht, ist nicht ungefährlich. Netflix hat mit Serien wie „House of Cards“, „Stranger Things“ oder „The Crown“ den Nerv der Zeit getroffen. Auch die zuletzt angekündigte Zusammenarbeit mit dem Pay-TV-Sender „Sky“ und die mögliche Show mit dem EX-US-Präsidenten Barack Obama haben weitere Wachstumsfantasie generiert. Mit den acht Millionen neuen Abonnenten, die in den letzten drei Monaten hinzukamen, kommt der Streamingdienst nun weltweit auf fast 117 Millionen Nutzer. Und Netflix wird seinen Aufwand weiter erhöhen müssen, um neue Kunden zu ködern. Finanzchef David Wells will im laufenden Jahr bis zu USD 8 Milliarden in die Produktion eigener Inhalte pumpen. Bislang stammen die erfolgreichsten Serien aber noch aus anderen Häusern: „Orange is the New Black“ wird von Lionsgate produziert, „House of Cards“ von Media Rights Capital und „The Crown“ von Sony Pictures. Für das Recht, diese Serien anzubieten, bezahlt Netflix Gebühren. Um den Traum vom grenzenlosen Wachstum nicht zu gefährden, ist es für Netflix zwingend nötig, die Nutzerzahlen weiter überdurchschnittlich stark auszuweiten. Denn der Konzern schiebt nach Berechnungen der „Financial Times“ einen riesigen Schuldenberg vor sich her. Die vertraglichen Verpflichtungen für die kommenden Jahre summieren sich auf Grundlage langfristiger Schulden und Lizenzgebühren auf USD 28 Milliarden. Wirklich vertrauenserweckend ist das Ganze nicht – vor allem wenn man noch die Ratingagenturen beachtet, welche Netflix‘ Schulden bereits ein Junk-Rating vier Stufen unterhalb einer Investment-Empfehlung verpasst haben. Für den Fall, dass es an den Märkten in den kommenden 18 Monaten zu einer Vertrauenskrise kommen sollte, ist das Unternehmen gezwungen, sein Geld zusammenzuhalten, was zu einer deutlichen Verlangsamung des Wachstums führen könnte – ein böses Erwachen wäre wohl vorprogrammiert. Denn in diesem Fall wiegen die Verbindlichkeiten im Hier und Jetzt schwerer als die grenzenlose Wachstumsfantasie. Die Wachstumsstory von Netflix ist intakt – entsprechend sollte der Aktienkurs des Unternehmens weiter nordwärts tendieren. Im laufenden Jahr rechnen wir mit Erlösen in Höhe von USD 16 Milliarden, was einem Wachstum von gut einem Drittel entspräche. Der Gewinn pro Aktie sollte sich gar verdoppeln. Dennoch sollten sich Anleger über die Risiken bewusst sein. Die stärkere Fokussierung auf Eigenproduktionen kostet nicht nur Geld, sondern ist auch ein operatives Risiko. Denn nicht jede Serie oder jeder Film wird den Geschmack der Kunden treffen. Auch die hohen Schulden bzw. vertraglichen Verbindlichkeiten sind ein nicht zu unterschätzender Unsicherheitsfaktor.
Konklusion:
Wir rechnen weiter mit einem starken Kursanstieg. Die Wachstumsstory von Netflix ist intakt. Doch Anleger sollten sich über die Risiken bewusst sein. Denn die Fallhöhe ist enorm.