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Nestlé

Mark Schneider, der seit Beginn des Jahres den Schweizer Lebensmittelmulti leitet, drückt dem Konzern mehr und mehr seinen Stempel auf. Das konservative Lebensmittelgeschäft soll mit wachstumsstarken Sparten wie Kaffee, Tiernahrung, Wasser und dem Gesundheitsbereich angereichert werden. Weniger profitable Geschäftseinheiten, wie beispielsweise das US-Süsswarengeschäft, sollen hingegen abgestossen werden. Nachdem Nestlé erst vor wenigen Wochen den Anbieter von kaltem Kaffee «Chameleon Cold-Brew» übernommen hat, baut der Konzern nun sein Engagement im Gesundheitsbereich aus. Für USD 2.3 Milliarden kaufen die Schweizer die kanadische Firma Atrium Innovations – einen Anbieter von natürlich hergestellten Vitaminen und Nahrungsmittelzusätzen. Der Kaufpreis entspricht mehr als dem Dreifachen des Atrium-Jahresumsatzes, der gemäss Nestlé bei rund USD 700 Millionen liegt. Die kanadische Firma wird, sofern die Aufsichtsbehörden dem Deal ihren Segen geben, in den Bereich «Nestlé Health Science» eingegliedert, der gegenwärtig gerade einmal 2% zum Nestlé-Konzernumsatz beiträgt. Eine vollständige Integration von Atrium strebt Nestlé zunächst nicht an. Denn die Kanadier sollen weiter als selbstständige Einheit agieren. Man wolle die Wachstumsdynamik des Unternehmens dadurch beibehalten. Gemäss Angaben von Nestlé wuchsen die Kanadier in den vergangenen Jahren im zweistelligen Prozentbereich. Die vergleichsweise lose Einbindung des kanadischen Unternehmens in den Nestlé-Konzern ist eine Strategie, welche seit einigen Monaten gepflegt wird. Auch die unlängst zugekauften US-Unternehmen Freshly (Fertigmahlzeiten), Sweet Earth (vegetarische und vegane Lebensmittel) oder Blue Bottle Coffee (eine Kaffeehauskette) geniessen im Konzernverbund eine relativ grosse Freiheit. Das ist jedoch keine Nachlässigkeit, sondern vielmehr eine strategische Weitsichtigkeit der Konzernführung. Denn mit den Übernahmen betritt Nestlé geschäftliches Neuland, auf dem sie schlicht zu wenig Erfahrung haben. Entsprechend erscheint es sinnvoll, dass man dem Management der übernommenen Unternehmen grosse Freiheiten lässt. Und der Hunger von Nestlé dürfte noch längst nicht gesättigt sein – weitere Zukäufe werden folgen, da sind sich die Marktbeobachter praktisch unisono einig. Auf dem Handelsparkett wird derzeit vor allem über das Merck-Geschäft mit rezeptfreien Gesundheitsprodukten spekuliert. Angeblich will Nestlé für die Sparte bieten. Allerdings rechnet man auf dem Börsenparkett damit, dass der Kaufpreis recht sportlich ausfallen dürfte. Geschätzt EUR 4 Milliarden könnte der Verkauf der Sparte dem Darmstädter Pharmakonzern einbringen, bei einem Spartenumsatz von rund EUR 850 Millionen. Wir halten dies jedoch für eher unwahrscheinlich. Denn Nestlé würde mit einer Übernahme der Sparte auch Geschäfte einkaufen (wie bspw. Nasensprays), die nicht zur Strategie passen. Einen Teilverkauf der Sparte halten wir aus Sicht von Merck zugleich als wenig attraktiv. Nestlé treibt den Konzernumbau bzw. die Diversifikation mit grossem Tempo voran. Bisher passen die Übernahmen ins Konzept. Auch preislich waren die Zukäufe aus unserer Sicht in einem vernünftigen Rahmen. Wenig Freude haben wir jedoch an den Gerüchten, dass Nestlé um das Merck-Geschäft mit rezeptfreien Gesundheitsprodukten buhlen soll. Es passt aus unserer Sicht nicht ins Konzept und wäre vergleichsweise sehr teuer. Ob die neue Strategie der Nestlé-Führung letztlich aufgeht, wird sich erst in Zukunft erweisen, wenn es darum geht, die zugekauften Einheiten in einer noch nicht absehbaren Zukunft vollständig in den Konzern zu integrieren.
Konklusion:
Der Umbau des Lebensmittelkonzerns aus Vevey nimmt immer konkretere Züge an. Bisher gefällt uns die Umsetzung der Expansionsstrategie. Investierte Anleger halten den Titel.