
Eins vorweg: Der jüngste Capital Markets Day des Schweizer Lebensmittelmultis hat uns nicht positiv überrascht. Wir sind von den Aussagen des Managements sogar leicht enttäuscht. Wachstumsbereiche wie Kaffee, Tier- und Säuglingsnahrung und Wasser sollen aus- und das Gesundheitsgeschäft als weiteres Wachstumsstandbein aufgebaut werden. Zugleich bekräftigte das Management, dass sich der Konzern von weniger rentablen Bereichen trennen will. „Um den immer rascher werdenden Veränderungen im Markt gerecht zu werden, verschärfen wir unseren Fokus auf Innovation, operative Effizienz und Portfoliomanagement“, hiess es. Konkret will Nestlé bis zum Jahr 2020 die Wachstumsdelle der letzten Quartale ausmerzen. Ziel ist ein organisches Umsatzwachstum im mittleren einstelligen Prozentbereich, was in etwa dem entspricht, was sich Nestlé schon vor Jahren auf die Fahne geschrieben hatte. Im ersten Halbjahr 2017 wuchs Nestlé nur noch 2.3%. Um das mittelfristige Umsatzziel zu erreichen, wird Nestlé investieren müssen, um sich gegen die wachsende Konkurrenz durch kleinere lokale Anbieter zu wappnen und schlecht laufende Bereiche auf Vordermann zu bringen. Vor allem dem Trend nach frischen Lebensmitteln kann der Konzern derzeit nur wenig entgegensetzen. Insgesamt erscheint uns das mittelfristige Wachstumsziel als wenig ambitioniert. Ähnlich interpretieren wir das mittelfristige Margenziel des Konzerns. Nestlé setzt ein Margenziel vor Restrukturierungskosten und übernimmt damit die Vorgehensweise, die schon von Unilever und zahlreichen US-Wettbewerbern verfolgt wird. Konkret peilt Nestlé eine Ebit-Marge von 17.5% bis 18.5% im Jahr 2020 an. Das ist im Vergleich zu Unilever leicht enttäuschend. Denn die Niederländer peilen eine Ebit-Marge von 20% an. Auch für sich genommen ist das Margen-Ziel wenig ambitioniert, wenn man bedenkt, dass der Ausgangspunkt bereits bei 16% liegt. Das neue Margenziel dürfte durch grössere strukturelle Kosteneinsparungen in Höhe von CHF 2 Milliarden bis CHF 2.5 Milliarden (bisher: CHF 1.8 Milliarden) erreicht werden. Keine Neuigkeiten gab es zum Thema L‘Oréal. Nestlé hält am Status quo fest. Wenig überraschend, denn einerseits bleiben die vertraglichen Vereinbarungen mit der verstorbenen L‘Oréal-Erbin Liliane Bettencourt bis sechs Monate nach ihrem Tod in Kraft. Zudem konzentriert sich Nestlé derzeit auf sich selbst, um die Weichen für die neue Zielsetzung zu stellen. Zudem besteht unmittelbar kein Handlungszwang. Nestlé kann mit dem Anteil an L‘Oréal gut leben.
Konklusion:
Unter dem Strich hat Nestlé zu wenig geliefert, um unsere neutrale Sicht auf den Lebensmittelmulti zu ändern. Investierte Anleger halten den Titel. Neu-Investments drängen sich aber nicht auf.