+11.66%
YTD 2026
+15.08%
Jahr 2025
+23.37%
Jahr 2024
+12.28%
Jahr 2023
-6.63%
Jahr 2022

Nestlé

Aktionäre des Lebensmittelmultis haben die jüngsten, massiven Kursverwerfungen am Schweizer Aktienmarkt bis heute vergleichsweise unbeschadet überstanden. Während der SMI seit Anfang Oktober gut 5% an Wert eingebüsst hat, erfreut sich das Nestlé-Papier immerhin an mehr als 1% – angesichts der Gesamtlage ein durchaus beachtliches Kursplus. Einerseits profitiert der Titel von seinem defensiven Charakter. Aktien aus dem Basiskonsumgütersegment gelten als stabilisierende Elemente in unruhigen Zeiten. Nestlé überzeugt mit einer stabilen Geschäftsentwicklung, die nur am Rande Konjunkturschwankungen unterliegt. Das Wachstum ist zwar vergleichsweise gering. Dafür ist die Visibilität hoch. Umsätze, Gewinne und letztlich auch Dividenden entwickeln sich linear – mit kleineren Abweichungen nach oben oder nach unten. Geschäftseinbrüche sind hingegen tendenziell unwahrscheinlich.

Der Tanker nimmt wieder Fahrt auf
Doch Nestlé ist unseres Erachtens nicht nur als Verteidigungsposition in schwierigen Börsenzeiten zu sehen. Der Nahrungsmittelmulti überzeugt uns auch auf mittel- bis langfristige Sicht und ist daher ein Basisinvestment im Schweizer Aktienuniversum. Die eingeleiteten Restrukturierungen unter CEO Mark Schneider zeigen Wirkung – der schwerfällige Nestlé-Tanker nimmt wieder Fahrt auf. Nach neun Monaten wuchs der Konzern organisch um 2.8%. Im Gesamtjahr soll das Plus auf 3% anwachsen. Bis 2020 soll die stete Wachstumsbeschleunigung anhalten – dann will Nestlé wie in alten Zeiten organisch um 5% wachsen. Dabei stehen Sparten im Zentrum, die in den kommenden Quartalen das Wachstum beschleunigen sollen: Babynahrung, Kaffee, Wasser und Tierfutter. Zugleich soll die operative Marge auf beachtliche 18.5% ausgeweitet werden. Darüber hinaus bleibt die 23%-Beteiligung an L‘Oréal ein Asset, welches die Fantasie der Anleger anregt. Zuletzt betonte Verwaltungsratspräsident Paul Bulcke, dass die Beteiligung ein aktives Thema auf der Agenda des Verwaltungsrats sei. Ein Verkauf, so lässt sich interpretieren, wird damit nicht mehr kategorisch ausgeschlossen. Es locken Milliarden-Erlöse, die für neue Zukäufe in den vier Wachstumssparten, Dividendenerhöhungen oder umfangreiche Aktienrückkäufe gesteckt werden könnten.

Erneut ist die Politik die grösste Gefahr
So ansprechend die operativen Aussichten auch sind, es gibt derzeit einen Haken, welcher den Aktien noch Probleme bereiten könnte: der Streit um ein Rahmenabkommen zwischen der Schweiz und der EU. Die stockenden Verhandlungen bedrohen den Zugang der Schweizer Börse zum europäischen Markt. Sollte das Rahmenabkommen bis Ende Jahr nicht stehen, so besteht die Gefahr, dass die EU die Schweizer Börse nicht mehr als gleichwertigen Handelsplatz anerkennt. Dies hätte zur Folge, dass Banken und Wertpapierhändler aus dem EU-Raum nicht mehr in Zürich handeln könnten. Damit würde die Börse in Zürich einen Grossteil des jährlichen Handelsvolumens verlieren. Dass die SIX ihrerseits  nun den Handel von Schweizer Aktien in der EU stoppen will, ist angesichts der verfahrenen Lage auch nicht hilfreich. Die drohende Eskalation könnte im schlechtesten Fall dazu führen, dass sich vor allem die Grosskonzerne von der Schweizer Börse zurückziehen und ein Hauptlisting im EU-Raum anstreben. Im worst-case wäre die Schweizer Börse damit wirklich nur noch ein Handelsplatz zweiter Güte.

Konklusion:
Aktien mit defensivem Charakter stehen angesichts der Verwerfungen an den Börsen hoch im Kurs. Nestlé überzeugt uns aber auch aus anderen Gründen.