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Jahr 2022

Nestlé

Der Verkauf des US-Süsswarengeschäfts an Wettbewerber Ferrero ist unseres Erachtens gleich aus mehreren Gründen für den Schweizer Lebensmittelmulti attraktiv.
Der Preis ist vergleichsweise hoch
Für insgesamt CHF 2.8 Milliarden wechselt das US-Süsswarengeschäft die Hand. Dies ist im Vergleich zu ähnlichen Übernahmen ein stolzer Preis. Legt man die Umsatzprognose für das US-Geschäft 2017 zugrunde, wonach Nestlé in dieser Sparte im zurückliegenden Jahr einen Umsatzrückgang von rund 6% bis 7% verbuchen musste, errechnet sich ein sog. Enterprise-Value-To-Sales-Verhältnis von 3.0x bis 3.3x. Damit liegt der Deal am oberen Ende der Spanne, die sich in den vergangenen Jahren bei ähnlichen Deals ergab. Beim Kraft/Cadbury-Deal lag die Masszahl beispielsweise bei nur 2.5x. Gemessen am Enterprise-Value-To-Ebita-Verhältnis wird noch ersichtlicher, dass Nestlé ein Coup geglückt ist. Beim Nestlé/Ferrero-Deal errechnet sich ein EV/Ebitda zwischen 20x bis 25x – bei vergleichbaren Übernahmen lag dieses Verhältnis in der Regel zwischen 15x bis 20x.
Wachstumsschwache Sparte wird aussortiert
Im US-Geschäft hing der Haussegen schon seit geraumer Zeit schief. Statt kräftig zu wachsen, kam der Konzern punkto Umsatzausweitung nicht wirklich voran. Für das zurückliegende Jahr stellen wir sogar einen Umsatzrückgang von 6% bis 7% in Aussicht. Nestlé erreichte im US-Süsswarengeschäft einen Marktanteil von gut 3% und lag damit deutlich hinter Lindt (10%), Mars (27%) und Hershey (37%). Nestlé hätte Milliarden in den Ausbau seines US-Süsswarengeschäfts stecken müssen, um den Abstand zur Konkurrenz zu verringern. Ein hohes, zu hohes Risiko. Angesichts der mageren Geschäftsentwicklung ist der Verkauf eine Entlastung für den Gesamtkonzern, der sich im laufenden Jahr wahrscheinlich noch stärker auf die Wachstumsbereiche Heimtiernahrung, Wasser, Kaffee, Tiefkühlkost sowie Säuglingsnahrung fokussieren wird. Dort sind milliardenschwere Investitionen unseres Erachtens auch besser aufgehoben. Uns gefällt die Strategie von CEO Mark Schneider, den Lebensmittelmulti mit kleineren Übernahmen – wie z.B. Freshly (Fertigmahlzeiten), Sweet Earth (vegetarische Lebensmittel) oder Blue Bottle Coffee (eine Kaffeehauskette) – zu stärken, ihnen aber zugleich möglichst viel Freiraum zu lassen, damit diese das Wachstumspotenzial voll ausschöpfen können.
Organisches Wachstum wird sich nur langsam erholen
Wir sind überzeugt, dass die Expansionsstrategie von Schneider mittel- bis langfristig aufgeht, womit der Konzern organisch wieder stärker wachsen sollte als in den zurückliegenden Jahren. Für das laufende Jahr rechnen wir hingegen noch nicht mit einer Wachstumsbeschleunigung – ein organisches Erlöswachstum von 2.5% bis 3.5% ist wahrscheinlich das höchste der Gefühle. Dies ist zwar ordentlich, reicht aber nicht aus, um bereits in diesem Jahr eine Neubewertung der Aktie zu initiieren. Das US-Geschäft, welches bis dato rund 30% des Gesamtumsatzes ausmacht, dürfte sich auch 2018 nur schleppend entwickeln. Vor allem der Trend zu gesunder Ernährung dämpft die Nestlé-Entwicklung. Zudem erleichtern die niedrigen Rohstoffpreise den lokalen Wettbewerbern das Geschäft, womit die Preissetzungsmacht von Nestlé auch 2018 begrenzt bleiben dürfte.
Konklusion:
Durch den Verkauf des US-Süsswarengeschäfts stärkt Nestlé sein langfristiges Wachstumsprofil. Für Value- Anleger bleibt der Titel aufgrund der laufenden Portfolioanpassungen attraktiv.