Die sogenannten „Flash Boys“ stehen vor allem in den USA schon seit Längerem in der Kritik. Letztlich verschaffen sich diese Hochfrequenzhändler allein durch ihre Infrastruktur einen entscheidenden Handlungsvorteil. Das hochkomplexe System aus Hochleistungscomputern und Datennetzen ermöglicht Börsengeschäfte in Lichtgeschwindigkeit. Vereinfacht gesagt, können Hochfrequenzhändler „sehen“, wenn eine Kauf- oder Verkaufsorder auf einer langsamen Datenlandstrasse auf die Börse zukommt. Dann sind sie aber schon auf der eigenen Datenautobahn zur Börse gerast. Je schneller die Informationen fliessen, desto bessere Preise können sie erzielen. Sie kaufen und verkaufen in Millisekunden Tausende Positionen und verdienen Millionen damit. Doch diesen Flash Boys droht Unheil. Denn seit dem Jahreswechsel herrscht ein neuer Wind an der wichtigsten Technologiebörse der Welt. Adena T. Friedman, 47, aus Baltimore, ist die neue Chefin der Nasdaq und hat sich ein grosses Ziel auf die Fahnen geschrieben. Die erste Frau an der Spitze einer US-Börse will die Flash Boys ausstoppen. „Wir entwickeln eine neue Art, wie Händler ihre Orders platzieren können“, umschreibt sie ihr Vorhaben recht zurückhaltend. Entsprechende Gespräche mit der amerikanischen Aufsichtsbehörde SEC laufen.
Was in den Worten von Friedman noch etwas kryptisch klingt, hat es jedoch in sich. So plant die Chefin einen kleinen Code in der Nasdaq-Software zu etablieren, der dafür sorgen soll, dass auf den Datenautobahnen der Börse alle Orders mit derselben Geschwindigkeit unterwegs sind. Den Hochfrequenzhändlern würde damit ihr wichtigster Handelsvorteil genommen werden – der entscheidende Zeitvorteil. Die Nasdaq wäre zwar nicht die erste Handelsplattform, die eine solche Bremse einbauen würde. Die Investor Exchange in New York verzögert den Handel bereits. Aber sollte Friedman ihre Pläne umsetzen, dürfte dies ein Signal für andere Börsen im In- und Ausland sein. Die Nasdaq war beispielweise die erste Börse, die den traditionellen Parketthandel aufgab und damit ein Zeichen setzte.
Unterstützung erhält die neue Nasdaq-Chefin vor allem von grossen Institutionellen wie Staatsfonds und Pensionskassen – sie legen ihr Geld gerne langfristig an und reagieren allergisch auf hohe Schwankungen. Die Flash Boys stehen – auch wenn der Beweis dafür noch nicht vorliegt – im Verdacht, für die zunehmende Schwankungsbreite an den Börsen mitverantwortlich zu sein. Sie verstärken kurzfristige Trends massiv, was auch Privatanleger immer wieder in die Bredouille bringt. Hochfrequenzhändler wie Citadel, Tradebot oder Virtu Financial schiessen bereits scharf gegen die Pläne. Die Pläne seien rückwärtsgewandt und unamerikanisch.
Konklusion:
Auch uns sind die Hochfrequenzhändler ein Dorn im Auge – sie sind u.E. für die extremen Kursschwankungen verantwortlich. Es wäre ein Signal für weitere Handelsplätze auf der ganzen Welt.