
Der deutsche Handelskonzern will sich aufspalten. Das Gross- und Lebensmittelgeschäft, die Cash&Carry-Märkte und die Real-Supermärkte sollen abgespalten werden, das Unterhaltungselektronikgeschäft (Media-Markt, Saturn) soll hingegen im Metrokonzern verbleiben. An der Börse wurde die Ankündigung gefeiert. Metro wurde in der Vergangenheit aufgrund seiner Struktur stets mit einem Konglomeratsabschlag gehandelt, der sich nun jedoch auflöst. Auch wenn noch nicht einmal ansatzweise feststeht, wie hoch die einzelnen Sparten an Wert besitzen, drängt sich vielen Investoren bereits die Frage auf, in welchen Konzernteil künftig – die Anteilsscheine sollen erst Mitte 2017 an Investoren ausgegeben werden – besser angelegt werden sollte. Unterhaltungselektronik erscheint per se die attraktivere Alternative als das mitunter doch etwas langweilig anmutende Lebensmittelgeschäft. Doch der Eindruck täuscht aus unserer Sicht. Unbestritten wuchs Media-Saturn in der ersten Dekade des noch jungen Jahrtausends in einem sehr hohen Tempo. Der Umsatz stieg von EUR 8.3 Milliarden im Jahr 2001 auf EUR 21.7 Milliarden im Jahr 2014/15. Allerdings entwickelt sich das Wachstum in den letzten gut sechs Jahren alles andere als dynamisch. Wuchs der Umsatz zwischen 2006 bis 2010 um satte 25%, waren es seitdem nur noch 4%. Darüber hinaus schwindet die Marge langsam aber kontinuierlich. Lag diese 2006 noch bei 3.9%, war sie im vergangenen Geschäftsjahr nur noch 2% – am Tiefpunkt zwei Jahre zuvor lag die Marge gar nur bei 1.4%. Media-Saturn leidet seit Jahren unter einem internen Machtkampf, der dringend notwendige Neu-Ausrichtungen des Geschäfts bisher deutlich gelähmt hat. Vor allem im Online-Handel hinkt Media-Saturn den Wettbewerbern deutlich hinterher. Wurden im vergangenen Jahr branchenweit gut 20% der Elektronikartikel über das Internet verkauft, machten die Online-Verkäufe bei Media-Saturn gerade einmal 8% des Spartenumsatzes aus. Inwieweit eine Abspaltung in diesem Punkt Abhilfe schafft, ist derzeit noch nicht abzuschätzen. Und wie steht es um die Cash&Carry-Märkte bzw. Real? Nicht viel besser. Bei Cash&Carry schrumpfen die Umsätze seit Jahren und lagen zuletzt unter der EUR 30-Milliarden-Grenze – ein Niveau, dass zuletzt 2006 zu sehen war. Immerhin schaffen es die Märkte, die Marge stabil bei 3.4% zu halten. Das grosse Sorgenkind ist jedoch Real: Generiert die Sparte 2010 noch einen Umsatz von EUR 11 Milliarden, waren es im vergangenen Geschäftsjahr nur noch EUR 7.7 Milliarden. Zugleich ist die Marge mit nur gut 1% äusserst mickrig.
Konklusion:
Lebensmittel oder Unterhaltungselektronik – aus fundamentaler Sicht ist es wie die Wahl zwischen Pest und Cholera. Beide Sparten überzeugen uns in keiner Weise. Die Kurserholung zum Ausstieg nutzen!