Die Zahlen des Verbands der Schweizerischen Uhrenindustrie sind ernüchternd. Die Exporte von Schweizer Unternehmen sind im vergangenen Jahr um 9.8% auf CHF 18.3 Milliarden massiv gefallen. Insgesamt wurden 25.4 Millionen Stück exportiert – der niedrigste Wert seit dem Jahr 2009 als die Welt gerade erst aus einer weltweiten globalen Rezession herausarbeitete. In allen Kategorien verzeichnete die Branche starke: Im Edelsegment mit Preisen über CHF 3‘000 (Exportpreis) sank das Verkaufsvolumen um 11.6%, im mittelpreisigen Segment (CHF 500 bis CHF 3‘000) gingen die Erlöse um 3.9% und im Tiefpreissegment um 11.2% zurück. Geradezu dramatisch entwickelten sich die Märkte in Asien. Gesamthaft gingen die Verkäufe um 11.4% zurück. Katastrophal stellen sich die Zahlen für den wichtigen Markt Hong Kong dar. Allein im vergangenen Jahr gingen die Erlöse um 25.1% zurück, womit sich das Marktvolumen in den vergangenen vier Jahren halbiert hat. In China (Festland) sackten die Verkäufe in der zweiten Jahreshälfte ebenfalls ein. Nach einem Plus von über 9% zum Halbjahr beendete die Region das Jahr 2016 gesamthaft mit einem Minus von 3.3%. In Europa und in den USA fiel das Minus mit zusammen 8.6% leicht besser aus. Zwar konnte die Branche aufgrund des tiefen Pfunds die Exporte nach Grossbritannien um 3.7% steigern. Zugleich sackten die Verkäufe auf dem wichtigen französischen Markt – aufgrund des schwachen Tourismus infolge strengerer Visa-Vorgaben und der Terroranschläge – um 20% ab, was den Fortschritt in Grossbritannien mehr als negierte. Selbst in Spanien, das stark von den veränderten Touristenströmen infolge des Terrors in Frankreich und in der Türkei profitierte, gingen die Exporte um fast 10% zurück.
Ist die Talsohle wirklich erreicht?
Die Branchenvertreter sehen nach den enttäuschenden Jahren nun wieder Licht am Ende des Tunnels. Sie rechnen mit einem steigenden Branchenumsatz in diesem Jahr. Angetrieben wird diese Hoffnung von guten Zahlen der grossen Luxugüterkonzerne wie LVMH oder Richemont. Vor allem in China machen sie nach dreijähriger Kaufzurückhaltung einen neuen Schwung bei den Konsumenten aus. Nur eben sind LVMH und Richemont breit aufgestellte Luxuskonzerne, bei denen das Uhrengeschäft nur eines von vielen ist. Wir gehen grundsätzlich davon aus, dass das Luxusgeschäft 2017 wieder anzieht. Das Wachstum im Uhrensegment dürfte tendenziell aber sehr gering bleiben. Wir gehen davon aus, dass die Uhr als Statussymbol an Wichtigkeit verloren hat.
Konklusion:
Wir rechnen im Uhrensegment mit einem Wachstum im niedrigen bis mittleren einstelligen Prozentbereich. Aufgrund der sehr tiefen Bewertungen erscheint uns die Aktie von Swatch mittlerweile attraktiv.