
Euphorie nimmt langsam gefährliche Ausmasse an
Man kann es drehen und wenden wie man möchte – aber für die US-Börsen war und ist Präsident Donald Trump ein Glücksfall. Seit seiner Wahl im November 2016 hat der marktbreite S&P500 Index gut 1‘200 Punkte hinzugewonnen. Noch eindrücklicher sind die Zahlen des Leitindex Dow Jones: Dieser stieg in dieser Zeit um gut 11‘000 Zähler auf jüngst erstmals mehr als 29‘000 Punkte. Und wie Trump jüngst twitterte, werde das Beste an den US-Börsen erst noch kommen. Mittlerweile kann man wahrscheinlich auch nicht mehr ausschliessen, dass der Dow Jones bis Jahresmitte die 30‘000-Punkte-Marke überwindet und der S&P500 die 3‘500 Zähler hinter sich lässt. Wir sind für den Markt zwar weiter sehr optimistisch, zumal die nun anlaufende Berichtssaison in den USA überzeugen sollte. Einerseits sind die Erwartungen tief und andererseits dürfte die Wirtschaft durch die nachlassenden Handelsstreitigkeiten eine leichte Belebung spüren. Allerdings wollen wir nicht verschweigen, dass wir durchaus gewichtige Risiken am US-Aktienmarkt orten. Denn unseres Erachtens war die jüngste Rallye wieder einmal durch die amerikanische Notenbank angetrieben. Durch den Kauf von kurzlaufenden US-Staatsanleihen und den Interventionen am Repo-Markt hat sie ihre Bilanzsumme bereits wieder mächtig ausgeweitet. In den vergangenen Wochen lief die Ausweitung der Bilanzsumme fast 1:1 mit der Entwicklung im S&P500-Index. Zur Verdeutlichung: Während gut zwei Jahren hat die Notenbank ihre Bilanz reduziert. Seit Oktober 2019 hat das Fed gut 50% der ursprünglich abgebauten Bilanzsumme bereits wieder ausgebaut. Ein rekordverdächtiges Tempo! Was also wird passieren, wenn das Fed ihre Bilanzsumme wieder reduziert? Wahrscheinlich nichts Gutes. Es erscheint daher durchaus gerechtfertigt, dass eine zunehmende Zahl vor einem „Exzess“ am US-Aktienmarkt warnen – eine Wortwahl, die jüngst auch ein Notenbanker benutzte. Man muss die Euphorie am US-Aktienmarkt entsprechend auch mit einem kritischen Auge betrachten. Die Rallye in den letzten Monaten war einmal mehr das Werk der Notenbank Fed. Damit steckt viel dünne Luft im Markt. Eine enttäuschende Berichtssaison könnte dies schmerzhaft zu Tage tragen. Wir bleiben vorerst vollinvestiert und erwarten ein starkes erstes Halbjahr an der Börse. Mittlerweile erscheinen uns Fragen bezüglich der Nachhaltigkeit dieser Rallye und der immensen Bewertungsausweitung aber angebracht.
Konklusion:
Wir verfolgen angesichts der Reife des Aufwärtszyklus eine sehr opportunistische Anlagestrategie. Lassen Sie die Gewinne vorerst laufen, seien Sie sich aber über die immensen Risiken bewusst!