
Das Fed vergrössert den Anlagenotstand markant
Die positive Entwicklung der amerikanischen Börse widerspricht eigentlich jeglichen Stimmungsumfragen. Gemäss einer Umfrage von Bank of Amerika unter Fondsmanagern erwarten nur gerade 10% eine V-förmige Erholung der Wirtschaft, welche in den Aktienkursen bereits eingepreist scheint. Ähnlich ist auch das Ergebnis einer Umfrage der American Association of Individual Investors unter Privatinvestoren. Demnach habe sich die Stimmung der Anleger seit Januar deutlich verschlechtert. Die Zahlen für das erste Quartal stärken den Eindruck, dass die USA durch schwierige Zeiten gehen. Die Unternehmen im S&P500 mussten gesamthaft einen Gewinnrückgang pro Aktie von 13% gegenüber dem Vorjahr vermelden – der stärkste Einbruch seit der Finanzkrise 2007/08. Und die Zahlen für das zweite Quartal dürften alle Negativrekorde brechen. Zugleich ist die Arbeitslosigkeit auf den höchsten Stand seit dem Zweiten Weltkrieg gestiegen, auch wenn die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe zuletzt wieder abnahm. Hierbei sollte jedoch die Arbeitsmarktstruktur in den USA nicht vergessen werden. Der Begriff des „Hire & Fire“ kommt nicht von irgendwo her. Vor allem Jobs im schlecht bezahlten Servicebereich dürften der Krise vorderhand zum Opfer gefallen sein. Die Krise trifft vor allem die ohnehin schlechter gestellte untere Gesellschaftsschicht. Aber auch in der Unternehmenswelt wird die Krise tiefe Spuren hinterlassen – es muss mit zahlreichen Firmenpleiten und Defaults an den Anleihenmärkten gerechnet werden. Dennoch sollten Anleger die laufende Rallye am Aktienmarkt nicht unterschätzen. Es wird Rückschläge geben – auch schmerzhafte. Aber die Notenbank Fed vergrössert durch die massive Ausweitung der Geldpolitik den Anlagenotstand. Anleihen – selbst im High Yield Segment – werden durch den Aufkauf durch das Fed für Anleger noch uninteressanter. Die Renditen dürften in der Breite gegen null sinken. Dies dürfte mehr und mehr Anleger in den Aktienmarkt treiben. Darüber hinaus darf erwartet werden, dass sich die US-Wirtschaft deutlich schneller von der Krise erholt als die europäische. Die Innovations- und Erneuerungskraft der USA ist intakt, auch wenn gegenwärtig das Gegenteil zu drohen scheint. 2021 dürfte u.E. zu einem amerikanischen Jahr werden.
Konklusion:
Anleger sollten sich von zwischenzeitlichen, teils schmerzhaften Rückschlägen nicht verunsichern lassen. Die Rallye am US-Aktienmarkt dürfte noch eine Weile anhalten!