Das Schlimmste dürfte jedoch überstanden sein
Die Luxusgüterindustrie leidet unter den globalen Konjunkturunsicherheiten. Vor allem in Asien, Lateinamerika sowie in den USA zeigen sich die Konsumenten zunehmend knausriger – kostspielige, nicht lebensnotwendige Ausgaben werden angesichts der Unsicherheit über die künftige Wirtschaftsentwicklung traditionell verschoben. Eine Entwicklung, die beispielsweise auch beim britischen Luxusgüterhersteller Burberry zu gravierenden Massnahmen führt. Die 160 Jahre alte britische Traditionsmarke, die vor allem für ihre Trenchcoats und Karo-Schals bekannt ist, kündigte vor wenigen Tagen ein Sparprogramm von GBP 100 Millionen in den kommenden drei Jahren an. Unter anderem soll ein Teil der Burburry-Produkte im Laufe des kommenden Jahres aus dem Sortiment gestrichen werden. Zudem sollen sich die Burberry-Designer mehr auf Handtaschen konzentrieren – das Geschäft gilt als margenträchtiger und wachstumsstärker als das Geschäft mit Kleidung.
Auch der Schweizer Richemont-Konzern spürt die Kaufzurückhaltung der Konsumenten. Die jüngst vorgelegten Jahreszahlen 2015/16 waren enttäuschend. Auf organischer Ebene gingen die Erlöse um 1% zurück, wobei sich vor allem die Region Asia-Pacific sehr negativ entwickelte (-13%). Auch in der Region America ging der Umsatz zurück (-1%). Vor allem das vierte Quartal zeigt, wie stark die Konsumenten ihre Ausgaben zuletzt zurückgefahren haben. Verbuchte Richemont nach neun Monaten noch ein leichtes Umsatzplus von 1%, fielen die Erlöse in Q4 um satte 7%. Und die Schwäche setzt sich fort. Im April, dem ersten Monat des neuen Geschäftsjahres 2016/17, gingen die Erlöse in Lokalwährungen um 18% zurück. Allerdings gibt es einen Lichtblick in Asien. Denn in Festland-China scheint sich nach den turbulenten Vorquartalen wieder etwas mehr Zuversicht breit zu machen: Die Verkäufe schnellten um 26% in die Höhe.
Insgesamt bleibt das geschäftliche Umfeld für Luxusgüterhersteller angespannt. Dennoch steigt unsere Zuversicht, dass das Schlimmste bereits hinter den Konzernen liegt. In China orten wir mittlerweile klare Signale einer konjunkturellen Stabilisierung – das Szenario einer durch China ausgelösten globalen Rezession ist unseres Erachtens zu vernachlässigen. Die Regierung in Peking stützt durch sehr hohe Investitionen (siehe auch the investor Nr. 19) die Konjunktur, was sich beruhigend auf die gesamte asiatisch-pazifische Region auswirken sollte. In Lateinamerika – vor allem in Argentinien und Brasilien – wächst die Hoffnung, dass die jeweils neuen Regierungen die Konjunkturschwäche nachhaltig bekämpfen werden. Und in den USA, dies deuten zumindest die jüngsten Daten an, ist die wirtschaftliche Talsohle ebenfalls durchschritten.
Konklusion:
Kurzfristig dürfte die gesamte Branche unter Druck bleiben. Dennoch empfehlen wir, die Aktie von Richemont zu kaufen. Wir erwarten, dass die Geschäfte in der zweiten Jahreshälfte anziehen.