
Der deutsche Chemiekonzern will die Weichen für die mittelfristige Zukunft neu stellen. Klasse statt Masse, heisst die Devise von CEO Matthias Zachert. Bis 2021 will der Konzern quasi in allen Märkten und in allen Sparten zu den Top-Drei-Anbietern gehören. Strategisch bedeutet dies, dass Zachert die Abhängigkeit des Konzerns von einzelnen Industrien und Regionen verkleinern will. Rund EUR 400 Millionen sollen in das „The New Lanxess“ getaufte Projekt fliessen. Unter anderem sollen die lokalen Fertigungsstätten in Asien und den USA ausgebaut werden – nicht nur, um nah am Markt zu sein, sondern weil Lanxess auch die politischen Rahmenbedingungen im Auge hat. Nach Jahren eines aufblühenden Freihandels überwiegen vor allem in China und den USA mittlerweile die protektionistischen Töne. Die Konsequenz daraus ist, dass Unternehmen in diesen Ländern mit einer grossen Produktionsbasis vor Ort sein müssen und nicht auf den Export dorthin angewiesen sind. Heruntergebrochen auf die einzelnen Geschäftseinheiten dürfte in den kommenden Jahren – sofern Zachert an seinen rigiden Plänen festhält – grosse Bewegung kommen. Relativ sicher dürften das Additivgeschäft und die Fertigung von hochwertigen Industriechemikalien sowie Inhaltsstoffen für Farbe und Lacke ohne wenn und aber an Bord bleiben. Die Geschäfte befinden sich punkto Gewinnwachstum und Profitabilität bereits auf einem starken Niveau. In den Bereichen Hochleistungskunststoffe, Materialschutz und Lederchemie muss sich hingegen noch einiges tun, wenn man den Ansprüchen des CEO entsprechen will. Ob alle Segmente in gut vier Jahren noch an Bord sein werden, erscheint gegenwärtig fraglich. Vor allem das Lederchemiegeschäft steht unseres Erachtens auf dem Prüfstand. Das Business ist von Überkapazitäten geprägt. Ob ein Verkauf angestrebt wird oder die Auslagerung in ein Joint Venture geplant ist, ist intern noch strittig, wie zu hören ist. Wir gehen davon aus, dass Lanxess ein JV präferiert – ganz nach dem Vorbild des Kautschukgeschäfts, das Lanxess bereits erfolgreich in ein JV eingebracht hat. Diese umsatzstärkste Einheit ist in ein Joint Venture mit dem weltgrössten Ölförderer Saudi Aramco ausgegliedert. Ab dem zweiten Quartal 2018 wird das Joint Venture namens Arlanxeo nur noch als „nicht-fortzuführendes Geschäft“ bilanziert und aus den Konzernkennzahlen weitgehend herausfallen. Wir rechnen damit, dass das ehemalige Lanxess-Kerngeschäft bis 2021 komplett in den Händen des JV-Partners liegt. Enttäuschend sind hingegen die finanziellen Ziele des Konzerns bis 2021. Lanxess strebt eine operative Marge zwischen 14% bis 18% an, was angesichts der aktuellen Ebitda-Marge von über 12% wenig ambitioniert ist.
Konklusion:
Lanxess steckt in einem grundlegenden Transformationsprozess – weg von einem Allesanbieter, hin zu einem Nischenplayer. Die Umsätze dürften durch den Umbau bis 2021 tendenziell fallen.