
Aus unserer Sicht hat das Management von LafargeHolcim das ohnehin wenig inspirierende Geschäftsjahr 2015 vor allem dazu genutzt, ein sog. „Kitchen Sinking“ durchzuboxen – dabei werden in ein schlechtes Geschäftsjahr möglichst viele Belastungen gepackt, um die künftigen Ergebnisse in ein besseres Licht stehen zu rücken. Auch wenn diese Praxis nicht unumstritten ist, so begrüssen wir sie dennoch. LafargeHolcim schafft Klarheit für die Aktionäre. Unter dem Strich wies der Zementmulti einen unerwarteten Verlust in Höhe von CHF 1.5 Milliarden aus – vor allem einmalige Wertminderungen von Anlagen und Goodwill von gesamt CHF 3 Milliarden führten zu dem Milliardenverlust. Ebenfalls drückten die angekündigten Fusionskosten in Höhe von CHF 1.1 Milliarden auf das Ergebnis. Operativ macht dem Konzern aktuell vor allem der starke Preisdruck zu schaffen, wie die Zahlen für das vierte Quartal zeigen.
Der Ausblick für das laufende Jahr von CEO Eric Olson ist vage. LafargeHolcim setzt sich nach aussen keine konkreten Gewinnziele. Olson rechnet für 2016 mit einem Anstieg der Zementnachfrage zwischen 2% bis 4%. Diese positive Entwicklung könnte – ähnlich wie im vierten Quartal – jedoch durch einen anhaltenden Preisdruck zunichte gemacht werden. Die Summe der Kosteneinsparungen (Synergien) soll sich 2016 um mindestens CHF 450 Millionen erhöhen. Ihnen werden allerdings nochmals Kosten im Zusammenhang mit der Fusion in fast gleicher Höhe gegenüberstehen. Bis 2018 peilt LafargeHolcim einen operativen Gewinn von mindestens CHF 8 Milliarden an – ein Plus von 40% im Vergleich zum 2015er-Ergebnis. Dies dürfte einer Marge von starken 25% entsprechen. Die Rendite auf dem investierten Kapital (ROIC) soll sich um mindestens 3 Prozentpunkte erhöhen – auf ein Niveau, ab dem endlich die Kapitalkosten verdient werden. Den Fokus legt das Management um CEO Olson bei ihren mittelfristigen Zielen jedoch auf den freien Cashflow und auf die Rückführung überschüssiger Mittel an die Aktionäre (via Dividende oder Aktienrückkäufe). Das Management stellt in Aussicht, dass sich der freie Cashflow für die Zeitspanne von 2016 bis 2018 auf gut CHF 10 Milliarden summieren soll, was auf eine stetig steigende Dividende oder grössere Aktienrückkaufprogramme hinweist. Punkto Verschuldung kommt der Konzern schnell voran. Durch weitere Geschäftsveräusserungen und den wachsenden Cashflow soll diese rasch reduziert werden. Dank umfangreicher Verkäufe – LafargeHolcim hat 2015 Vermögenswerte in Höhe von CHF 7.2 Milliarden veräussert – sank die Verschuldung im Schlussquartal bereits um CHF 1 Milliarde. Im laufenden Jahr soll diese um weitere CHF 4 Milliarden auf dann CHF 13 Milliarden gedrückt werden.
Konklusion:
Wir sehen das gegenwärtige Kursniveau als attraktiven Einstiegspunkt für langfristig orientierte Investoren mit einem Anlagehorizont von mindestens 12 Monaten an.