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Johnson & Johnson

Ein Bericht der Nachrichtenagentur Reuters hat bei unserem Depotwert Johnson & Johnson ein regelrechtes Kursmassaker ausgelöst. Die Aktie des amerikanischen Pharmariesens verlor Ende vergangener Woche binnen eines Handelstages gut 10% an Wert. Rund USD 40 Milliarden an Börsenwert wurden vernichtet. Es war der stärkste Kurseinbruch seit gut zehn Jahren. Der Bericht der Nachrichtenagentur dreht sich um ein Thema, welches Johnson & Johnson schon seit einigen Jahren beschäftigt. Der Konzern sieht sich in diesem Zusammenhang mit unzähligen Klagen konfrontiert. Es besteht der Verdacht, dass ein Babypuder des Konzerns mit Asbest verseucht gewesen sei und eine aggressive Art von Eierstockkrebs (Mesotheliom) verursacht habe. Mesotheliom tritt vor allem bei Menschen auf, die mit Asbest in Kontakt gekommen sind, womit sich der Kreis für die Kläger schliesst. Bisher urteilten die Gerichte unterschiedlich. Im Juli dieses Jahres sprach ein Gericht in Missouri 22 Frauen und ihren Familien eine Entschädigung in Höhe von USD 4.7 Milliarden zu. J&J hat gegen das Urteil jedoch Rechtsmittel eingelegt.

Reuters berichtet unter Berufung auf vorliegende interne Dokumente, Berichten und Notizen des Pharmakonzerns, dass es schriftliche Belege gebe, wonach das Unternehmen seit 1971 darüber informiert gewesen sei, dass in seinem Babypuder bis zum Jahr 2000 das Magnesiumsilikat Talkum verwendet wurde, welches seinerseits mit geringen Mengen Asbest kontaminiert gewesen sei. Das Management soll die Probleme zwar diskutiert, sich letztlich aber dazu entschlossen haben, diese sozusagen unter den Teppich zu kehren. Vielmehr hätten die Verantwortlichen ihrerseits Studien über das Puder in Auftrag gegeben, deren Ergebnisse von einem Ghostwriter so umformuliert wurden, dass nur geschönte Studienergebnisse veröffentlicht wurden. J&J seinerseits wies die jüngsten Vorwürfe scharf zurück. Der Bericht der Nachrichtenagentur sei „einseitig, falsch und aufrührerisch“ – eine Wortwahl, die auch vom US-Präsidenten Trump hätte stammen können. Der Artikel ignoriere tausende von Tests, die bewiesen hätten, dass das Babypuder sicher und asbestfrei sei. Zudem habe man seit Jahrzehnten vollumfänglich mit der US-Behörde für Lebens- und Arzneimittel und weiteren weltweiten Behörden kooperiert, so Johnson & Johnson.

Es drohen milliardenschwere Sammelklagen
Die von Reuters erhobenen Vorwürfe wiegen sehr schwer. Angesichts dessen scheint es uns unwahrscheinlich, dass die Nachrichtenagentur die ihr vorliegenden Dokumente nicht auf ihre Echtheit und Verlässlichkeit geprüft haben soll. Vor diesem Hintergrund erscheint uns die Verteidigungsstrategie des Konzerns eher fragwürdig. Fakt ist: Kann Reuters die Echtheit der Dokumente beweisen, könnten auf den US-Pharmakonzern sehr schwere Zeiten mit zahlreichen multimilliardenschweren Sammelklagen zukommen. Allein der Ausblick auf ein solches Szenario dürfte die Kursentwicklung des amerikanischen Pharma- und Basiskonsumgüterriesen nachhaltig hemmen. Wir stufen die Aktie aufgrund der neuen Unsicherheiten von „Kaufen“ auf „Verkaufen“ zurück. Denn auch wenn J&J operativ gut dasteht – der Konzern hatte jüngst seine Jahresprognose auch wegen eines sehr gut laufenden Krebsmedikamentengeschäfts angehoben – dürfte dies an der Börse nur mit einem Risikoabschlag goutiert werden. Das Aufwärtspotenzial erscheint daher mittelfristig sehr beschränkt – zumal solche Berichte auch zu auf Kundenseite Protesten führen können, womit sich auch der operative Ausblick abschwächen könnte.

Konklusion:
Sollte sich der Reuters-Bericht als wahr herausstellen, steht Johnson & Johnson vor grossen Problemen. Milliardenschwere Sammelklagen und ein enormer Imageschaden dürften dann nachhaltig belasten.