
Palantir und Snowflake gehen an die Börse
In den USA stehen in den kommenden Wochen zwei sehr interessante Börsengänge auf der Agenda, deren Narrativ kaum gegensätzlicher sein könnte – obwohl beide Unternehmen eine grundsätzliche Idee verfolgen: Das Vernetzen von Daten. Auf der einen Seite steht die geheimnisumwobene Palantir. Allein schon der Name des 2004 gegründeten Unternehmens ist ein Hinweis darauf, dass sich das Unternehmen gerne mysteriös gibt. Der Name „Palantir“ entstammt der Fantasy-Saga „Heer der Ringe“ von J.J.R. Tolkien – es sind „sehende Steine“. Die Steine hielten über jede Distanz Verbindung zueinander, sodass die jeweiligen Besitzer mit ihrer Hilfe über grosse Entfernungen kommunizieren konnten. Anfänglich standen vor allem amerikanische Geheimdienste auf der Kundenliste des Unternehmens, das sich auf Big-Data-Analyse fokussiert. Nicht zuletzt wegen des milliardenschweren Mitgründers Peter Thiele und des als exzentrisch geltenden CEO Alex Karp hat das Unternehmen in den vergangenen Monaten viel Aufmerksamkeit erhascht. Der jüngst vorgelegte IPO-Prospekt hat erstmals ein wenig Licht ins Dunkel gebracht. Und was wir dort gelesen haben, lässt zumindest kleine Zweifel aufkommen. Die Kundenkartei führte am Ende des zweiten Halbjahres 2020 gerade einmal 125 Einträge auf – diese sind allerdings potent. Denn bei einem Gruppenumsatz von USD 481 Millionen zahlte jeder Kunde rechnerisch USD 650‘000. Das ist ein stolzer Betrag. Bei genauerer Betrachtung fällt jedoch auf, das je ein öffentlicher und ein privatwirtschaftlicher Kunde für jeweils gut 10% des Umsatzes stehen – die drei grössten Kunden vereinen fast 30% des Gruppenumsatzes auf sich. Das ist ein enormes Klumpenrisiko. Dass Fans des Unternehmens darauf verweisen, dass Palantir bei seinen Kunden derart tief verwurzelt ist, dass eine Ablösung fast unmöglich ist, ist dabei nicht von der Hand zu weisen. Palantir wuchs im ersten Halbjahr um 43%, schreibt aber immer noch rote Zahlen (-USD 165 Millionen). Auf der anderen Seite steht Snowflake, ein Data-Warehouse-Lösungsanbieter für kleinere bis mittelgrosse Unternehmen. Gegründet wurde das Unternehmen vor drei Jahren von drei unbekannten Data Architecs von Oracle. Pro Kunde erlöst Snowflake derzeit gut USD 13‘000, was im Vergleich zu Palantir wenig anmutet. Allerdings zählt die Kundenkartei von Snowflake bereits 3‘117 Einträge, womit sich die Erlöse im ersten Halbjahr auf USD 242 Millionen summierten – ein Plus von 133% im Vergleich zum Vorjahr. Zwar schreibt auch Snowflake noch Verluste (-USD 171 Millionen). Aber die besondere Stärke des Unternehmens liegt im Bezahlmodell. Denn je stärker ein Kunde die Datenplattform nutzt, desto mehr muss er zahlen. Angesichts des immer intensiveren Datenverkehrs werten wir dies als eine lukrative Aufstellung – denn es muss nicht durch teure Marketingaktionen gekauft werden.
Konklusion:
James Bond vs. Rosmunde Pilcher, so gestaltet sich der Vergleich von Palantir und Snowflake. Im Kino würden wir die James Bond-Agentenstory favorisieren. An der Börse gefällt uns die vermeintlich etwas langweiligere Pilcher-Story von Snowflake um Längen besser!