
Die vor wenigen Tagen vorgelegten Jahreszahlen der spanischen Modekette konnten nicht glänzen. Zwar konnte die Muttergesellschaft von populären Marken wie Zara oder Massimo Dutti im Ende Januar abgeschlossenen Geschäftsjahr 2017/18 den Umsatz auf vergleichbarer Ladenfläche um 9% auf EUR 25.3 Milliarden erhöhen. Dies mag für sich genommen und im Vergleich zu Wettbewerbern nach wie vor sehr ansprechend erscheinen. Im Vergleich zu den Vorjahren, in denen der Modekonzern regelmässig im zweistelligen Prozentbereich zulegen konnte, erscheinen die Zuwächse enttäuschend. Über viele Jahre mischte der Konzern mit seinen kurzen Lieferwegen und schnell wechselnden Kollektionen die Modebranche auf und brachte traditionellere Modehäuser unter Druck. Doch nun gerät auch Inditex in die Mühlen des Wandels. Zwar konnte Inditex die Erlöse im E-Commerce um satte 40% ausweiten. Vor allem in Asien stösste das Online-Angebot auf reges Interesse. Gesamthaft machen die E-Commerce-Erlöse aber gerade einmal etwa 10% des Gruppenumsatzes aus. Dies ist ähnlich schwach wie bei Wettbewerber H&M, der gerade 12% der Umsätze online generiert. Doch mit dem Webgiganten Amazon drängt nun der vielleicht gegenwärtig mächtigste Gegenspieler auf den Markt. Amazon hat im Herbst letzten Jahres die Modemarke „Find“ gegründet. Anders als Inditex bieten die Amerikaner aber auch Mode von anderen Labels an. Die Analysten der Berenberg Bank bringen das Problem von Inditex in einer Studie auf den Punkt: „Wir glauben, dass Online-Aggregatoren einen Wettbewerbsvorteil haben, was die Kundenakquise und die Bequemlichkeit angeht.“ Die Abwesenheit der Inditex-Kernmarke Zara auf solchen Plattformen (mit Ausnahme von Alibabas „Tmall“ in China) werde zum Problem. Ein diesbezügliches Umdenken in der Vorstands-etage der spanischen Mutter ist unserer Ansicht nach unausweichlich, wenn Inditex nicht ins Hintertreffen geraten will. Darüber hinaus dürfte der anhaltend starke Euro die Gewinnentwicklung weiter trüben. Inditex lässt ein Grossteil seiner Produkte in Europa fertigen, womit das Gros der Kosten in Euro anfällt. 50% des Umsatzes generiert der Konzern jedoch ausserhalb der Währungsunion, womit ein starker Euro zur Last wird. Im Jahr 2017/18 erhöhte sich der Überschuss um gerade noch 7% auf EUR 3.4 Milliarden – auch dies ist im Vergleich zu den Vorjahren enttäuschend. Wir sehen derzeit wenig Gründe, die für eine deutliche Beschleunigung der operativen Geschäfte sprechen. Für das neue Geschäftsjahr rechnen wir wegen der Konzernprognose über ein geringeres Flächenwachstum mit einer leicht sinkenden Konsensschätzung für das Vorsteuerergebnis, was sich negativ auf die Stimmung an der Börse auswirken dürfte. Wir ziehen die Reissleine, um uns vor weiteren Kursverlusten zu schützen, und stufen den Titel auf „Verkaufen“ zurück.
Konklusion:
Auch Branchenprimus Inditex kann sich nicht gegen das sich verändernde Konsumverhalten wehren. Wir rechnen 2018/19 mit einem schwierigen Jahr. Wir ziehen die Notbremse und verkaufen den Titel.