
Der Technologie-Dino IBM erfindet sich neu – wie schon des Öfteren in seiner mehr als 100-jährigen Firmengeschichte. CEO Arvin Krishna will „Big Blue“, wie der Konzern auch genannt wird, in zwei Einheiten aufteilen. Die neue IBM soll sich künftig mit den rund 260‘000 Mitarbeitern auf Umsätze aus Produkten und Software vor allem in der Cloud fokussieren. Eine zentrale Rolle soll dabei der 2019 integrierte Open-Source- und Cloud-Software-Spezialist Red Hat spielen. 2018 hatte IBM den langjährigen Partner für USD 34 Milliarden übernommen. Zum damaligen Zeitpunkt war es eine der grössten Übernahmen im Techsegment. Die abzuspaltende Einheit, in welcher das bisherige Wartungsgeschäft für IT-Infrastruktur wie Netzwerke, Grossrechner, Datenspeicher, PCs oder Rechenzentren für rund 4‘600 Kunden in über 100 Ländern gebündelt werden soll, wird später separat an der Börse notiert. Vorerst wird das Projekt „Newco“ benannt. Die Sparte erwirtschaftet mit gut 90‘000 Mitarbeitern einen Umsatz von jährlich gut USD 19 Milliarden. Die Abtrennung soll für IBM-Aktionäre, die Anteile bekommen, steuerfrei erfolgen. Bis Ende 2021 soll die Trennung der beiden Einheiten vollzogen sein und sie dürfte in Summe rund USD 5 Milliarden kosten. Aus unserer Sicht ist das Projekt ähnlich radikal, aber auch zukunftsweisend wie der Verkauf der PC-Sparte im Dezember 2004 an den chinesischen Computerhersteller Lenovo. IBM stösst mit der Aufspaltung eine margenschwache und schrumpfende Sparte ab, welche durch die Verlagerung in die Cloud massiv kannibalisiert wird. Damit dürfte die „neue“ IBM vor allem bei Investoren in einem deutlich besseren Licht dastehen. Denn bisher überdeckt die Schwäche im Wartungsgeschäft die starke Performance im Cloud-Geschäft von IBM. Damit richtet sich auch der letzte Techgigant der alten Schule auf die neuen Zeiten im Techsegment aus. Das Kapitel, in dem IBM alles aus einer Hand verkaufte, ist damit endgültig beendet. Der grosse Vorteil der neuen IBM: Ein Grossteil der Umsätze dürfte künftig von wiederkehrender Natur sein – ähnlich wie es bei AWS (Cloud-Sparte von Amazon) oder Azur (Cloud-Sparte von Microsoft) zu beobachten ist. Darüber hinaus könnte sich IBM noch weiter ausdünnen. Denn die Sparte „Global Business Services“ passt weder zur neuen IBM, noch zu Newco. GBS ist die Beratungseinheit von IBM für externe Kunden. Auch dies ist ein tendenziell sinkendes Geschäftsmodell.
Konklusion:
Der Abschied von schrumpfenden und margenschwachen Unternehmensteilen ist radikal, steigert aber den Wert von IBM. Das Management hat nun die Chance, sich auf die Wachstumsbereiche Hybridcloud und Künstliche Intelligenz zu fokussieren. Kaufen!