
Karl-Johan Persson, der Chef der schwedischen Modekette H&M, konnte an der jüngsten Bilanzmedienkonferenz zum ersten Quartal seine Unzufriedenheit über den Geschäftsgang kaum überspielen. Zwar konnte H&M den Umsatz um SEK 1.3 Milliarden auf SEK 47 Milliarden steigern. Damit blieb der Konzern jedoch hinter den eigenen Erwartungen zurück. Ein Plus konnte die Modekette auch beim Vorsteuergewinn verbuchen: SEK 3.2 Milliarden waren dabei sogar etwas besser als von Analysten erwartet. Dennoch will sich keine Zufriedenheit einstellen. Denn der Blick in die Zukunft ist mit zahlreichen Unsicherheiten versehen. Uns beunruhigen vor allem drei Punkte: Die hohen Lagerbestände, die Produktionskette von H&M und der Onlinehandel.
Die Lagerbestände
Um satte 30% sind die Lagerbestände im ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres gestiegen. Dies bedeutet für die Margenentwicklung in den kommenden Quartalen nichts Gutes. Denn der Konzern wird versuchen müssen, über gross angelegte Rabattaktionen die Ladenhüter an den Mann bzw. an die Frau zu bringen. Zumal der starke Anstieg auch darauf hindeutet, dass der schwedische Modekonzern für einmal kein glückliches Händchen bei seiner vergangenen Modekollektion bewiesen hat.
Die Produktionskette
„Wir müssen schneller und flexibler werden“, bilanzierte Persson und dürfte dabei auf die starke Konkurrenz durch die Modekette Zara (Inditex-Konzern) oder Primark geschielt haben. Im Gegensatz zu Zara, die ihre Sortimente hauptsächlich in Europa fertigen lässt, lässt H&M hauptsächlich in Asien produzieren. Dadurch sind die Produktionskosten zwar geringer, dafür sind jedoch die Lieferwege für die grossen Märkte bedeutend länger. Eine schnelle Reaktion auf veränderte Kundenwünsche ist so nur bedingt möglich. Zudem steigt das Währungsrisiko, da H&M seine Lieferanten in US-Dollar bezahlen muss.
Der Onlinehandel
Die Schweden sind derzeit auf 64 Märkten online vertreten, doch nur in 35 Ländern können die Kunden auch Online shoppen. Erst 2020 sollen die Kunden in sämtlichen Ländern auf der H&M-Website einkaufen können.
Unter dem Strich bleibt die schwedische Modekette zwar eine Erfolgsgeschichte und muss den Vergleich zu Ikea nicht scheuen. Aber der Glanz der zurückliegenden Jahre ist deutlich verblasst. Ob dieser mit dem Erfolg der Einrichtungslinie H&M Home oder der neu lancierten Zweit-Marken wie Arket (hochpreisigere Mode) zurückkehrt, ist aus unserer Sicht fraglich. Wir sehen Inditex derzeit deutlich besser positioniert, um den neuen Herausforderungen zu begegnen.
Konklusion:
Die Aktie hat ihre letztjährige Talfahrt 2017 fortgesetzt. Vor diesem Hintergrund erscheint das weitere Abwärtspotenzial beschränkt. Risikofreudige Anleger setzen auf eine technische Erholung.