
Die deutsche Bundesregierung will sich mit 25.1% am deutschen Rüstungselektronik-Konzern Hensoldt beteiligen. Damit zieht die Bundesregierung die im Zuge des Börsengangs von Hensoldt vereinbarte Option mit dem Finanzinvestor KKR. Dieser hatte den Hersteller von Hightech-Kameras für Tornado-Flugzeuge, von Panzer-Periskopen und Radarsystemen für den Eurofighter im Jahr 2016 für EUR 1.1 Milliarden von Airbus übernommen. Offiziell ist die Beteiligung zwar noch nicht. Aber die Bundesregierung liess mehrfach durchblicken, sich diese sog. Sperrminorität sichern zu wollen, um ausländischen Einfluss auf den Rüstungskonzern zu verhindern. Denn Hensoldt fertigt Schlüsseltechnologien für die deutsche Bundeswehr, aber auch für die gesamteuropäischen Rüstungsbestrebungen. Zu den Zukunftsprojekten des Konzerns zählt u.a. die Beteiligung an der Ausrüstung des neuen deutsch-französischen Kampfjets, welche mehrere Milliarden schwer ist. Das Kampfjetprojekt gilt als eines der grössten europäischen Rüstungsprojekte. Gemäss deutschen Medienberichten legt die Bundesregierung EUR 464 Millionen für das Aktienpaket auf den Tisch. Rein rechnerisch ergibt sich dadurch ein Kaufpreis von EUR 17.60 je Anteilsschein. Damit liegt der Kaufpreis unter dem vereinbarten Maximum von EUR 600 Millionen für das 25.1% grosse Aktienpaket. KKR reduziert durch die Transaktion seinen Anteil von 63% auf nur noch 38%. Der Haushaltsausschuss des Bundestags muss den Deal bis Ende Jahr noch durchwinken, sonst würde die vereinbarte Beteiligungsoption zwischen der Bundesregierung und KKR verfallen. Eine formelle Abstimmung über die Beteiligung ist hingegen nicht notwendig. Die Beteiligung des Bundes soll bei der Staatsbank KfW geparkt werden. Operativ will der Bund keinen Einfluss nehmen. Aber mit dieser Beteiligung steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Bund kein neutraler Einkäufer in Sachen Rüstung ist, wovon Hensoldt auf langfristige Sicht operativ profitieren sollte.
Konklusion:
Wer keine ethischen Bedenken bzgl. Rüstungsinvestments hat, sollte die Aktie des deutschen Rüstungskonzerns ins Visier nehmen. Das Papier erscheint uns angesichts der Wachstumsperspektiven günstig bewertet.