Die Idee des ‘Helikoptergeldes‘ ist in gewissen Wirtschaftskreisen wieder „en vogue“. Zuletzt forderte der Wirtschaftsverband „HandelSchweiz“ gegenüber der „Schweiz am Sonntag“, „dass die SNB künftig jedem Schweizer Einwohner direkt eine bestimmte Geldration verteilen kann“. Gemäss Jean-Marc Probst, Präsident des Interessenverbandes, sollte die Schweizerische Nationalbank monatlich rund hundert Franken verschenken können. Auch innerhalb der Eurozone wird derzeit um Geldgeschenke der EZB an die Bürger diskutiert. Die Grundidee dieses geldpolitischen Fanals stammt von Nobelpreisträger Milton Friedman. Die Wirkungsweise des Helikoptergeldes ist schnell skizziert. Um die Inflation anzukurbeln, soll die Notenbank Zentralbankgeld direkt an die Bürger ausschütten. Diese würden das Geld für den Konsum nutzen, wodurch die Wirtschaft angeschoben und die Inflation angeheizt wird. Ben Bernanke, der ehemalige Chef der amerikanischen Notenbank Fed, hatte diese Idee vor gut zehn Jahren als möglichen Handlungsstrang für die japanische Regierung empfohlen, um die damalige Deflation zu überwinden. Bisher wurde die rein theoretische Idee von Milton Friedman noch nie in der Realität umgesetzt. Und das ist gut so. Denn aus unserer Sicht ist Helikoptergeld nicht nur Quatsch, sondern auch völlig unnötig.
1. Es wäre das Eingeständnis der Notenbanken, dass die bisherige Geldpolitik auf breiter Front versagt hat. Doch davon kann im Moment keine Rede sein. Die Volkswirtschaften in der Schweiz und in der Eurozone wachsen. Die Raten sind zwar vergleichsweise niedrig, doch geben sie keinen Grund für Schwarzmalerei. Vielmehr sollte sich die Erwartungshaltung so mancher Wirtschaftsvertreter ändern. Eine Volkswirtschaft unterliegt Schwankungen – es kann – und das zeigt die Historie – niemals nur in eine Richtung gehen.
2. Die negative Inflation ist vor allem den sinkenden Öl- und Energiepreisen geschuldet. Nimmt man beispielsweise die Kerninflation in der Eurozone, so liegt diese zwar mit 0.8% ebenfalls unter dem 2%-Ziel der EZB. Aber sie ist keineswegs negativ. Zudem werden die Ölpreise nicht auf ewig tief bleiben. Wir rechnen bereits ab Mitte des Jahres wieder mit steigenden Notierungen, wodurch auch die Inflation an Fahrt gewinnen wird.
3. Die Reaktion der Konsumenten könnte anders ausfallen als erwartet. Die Gefahr besteht, dass sie infolge der Geldgeschenke ihren Konsum sogar einschränken. Denn wenn eine Notenbank zu diesem Mittel greifen muss, dann muss es sehr schlecht stehen um die Volkswirtschaft. Und in schlechten Zeiten sollte man nun einmal sparen.
4. Es entstünde die Illusion, die Notenbank könne für die Bürger einfach Geld drucken und damit die Probleme lösen. Damit würden notwendige wirtschafts- und sozialpolitische Reformen zusätzlich erschwert. Eine Rückkehr der Krise wäre somit unausweichlich.
Konklusion:
Helikoptergeld ist nicht nur aus rechtlicher Sicht umstritten. Wir zweifeln auch an der Wirksamkeit eines solchen geldpolitischen Instruments. Die Notenbanken machen bereits jetzt mehr als genug.