
Um 2.7% ist die portugiesische Wirtschaft im vergangenen Jahr gewachsen und damit deutlich stärker als der EU-Durchschnitt. Zugleich hat das Land im vergangenen Jahr kaum noch neue Schulden gemacht und konnte die Staatsschulden gemessen am BIP von 130.1% im Jahr 2016 auf 126.2% zurückfahren – der niedrigste Wert seit dem Jahr 2012. Der wirtschaftliche Aufschwung der vergangenen Jahre spiegelt sich auf dem Arbeitsmarkt wider. Lag die Arbeitslosenquote im Jahr 2013 bei gut 17%, ist diese seitdem auf 8.1% gesunken – dem tiefsten Wert seit Beginn der Dekade. Auch die Zahl der Langzeitarbeitslosen hat sich in den vergangenen vier Jahren auf knapp 4% mehr als halbiert. Zuletzt gelang es der Regierung in Lissabon, einen EUR 1.7 Milliarden schweren Kredit des IWF frühzeitig zurückzuzahlen bzw. diesen über den Kapitalmarkt zu günstigeren Konditionen zu refinanzieren. Natürlich musste das Land in den vergangenen Jahren tiefe Einschnitte vornehmen, doch gesamthaft konnte sich Portugal erfolgreich gegen die deutsche Austeritätspolitik stemmen. Die Regierung hat den Rotstift gegen eine durchdachte Investitionspolitik angesetzt. Höhere Löhne und Renten sowie eine Ausweitung der Sozialausgaben kommen allen zugute und haben die Kaufkraft der Portugiesen gestärkt. So hat die Regierung die Mindestlöhne von EUR 565 im Jahr 2014 auf mittlerweile EUR 676 erhöht, womit das Land aber immer noch deutlich hinter dem Schnitt der Euroländer hinterherhinkt. In Spanien beträgt der Mindestlohn beispielsweise EUR 825. Zugleich hat die Regierung ihren Fokus auf den Tourismus gesetzt – mit Erfolg. Lissabon, aber auch Porto sind mittlerweile regelrechte Touristenmagnete. Der Sektor macht bereits gut ein Achtel des portugiesischen BIP aus. Innerhalb weniger Jahre hat sich die Zahl der Touristen gut verdoppelt. Allein im vergangenen Jahr verbuchte das Land 22 Millionen Urlauber – ein Plus von mehr als 10% gegenüber dem Vorjahr. Wir haben das Land in den vergangenen Monaten des Öfteren besucht, um uns einen Eindruck verschaffen zu können. Von Krise ist dort nichts mehr zu spüren. Selbst ausserhalb der Grossstädte herrscht ein grosser Optimismus. Denn dank des Tourismusbooms erleben portugiesische Produkte – vor allem der Wein – einen Nachfrageschub. Die Melancholie, welche man den Portugiesen gerne unterstellt, ist einer neuen Lebensfreude gewichen.
Konklusion:
Die Fokussierung auf den Tourismus ist ein zweischneidiges Schwert, schliesslich können Präferenzen der Urlauber schnell ändern. Dennoch sind wir überzeugt, dass das Land die Krise endgültig hinter sich hat.