Nicht nur bei Lebensmitteln achten Konsumenten immer stärker auf das „Bio“-Siegel. Auch in der Finanzwelt kommt der ökologischen Nachhaltigkeit immer grössere Bedeutung zu. Spätestens seit dem Pariser Klimaabkommen (Dezember 2015) rücken sog. „Green Bonds“, mit denen Umwelt- und Klimaprojekte finanziert werden sollen, immer stärker in den Fokus von privaten und institutionellen Investoren. Im Januar dieses Jahres brachte Frankreich eine solche „Öko“-Anleihe auf den Markt – mit Erfolg. Gemäss Bankangaben war das Angebot mehrfach überzeichnet und kam letztlich mit einem Volumen von EUR 7 Milliarden auf den Markt. Das Papier wird 2039 fällig. Frankreich will mit den Einnahmen energieeffiziente Immobilien und CO2-arme Transportmittel finanzieren. Auch Starinvestor Warren Buffet hat erkannt, welches Potenzial die Anlageklasse besitzt bzw. wie gross die Nachfrage von Seiten der Investoren ist. Er emittierte jüngst erstmals eine grüne Anleihe, mit der zwei Windparks im Bundessstaat Iowa finanziert werden sollen. Noch führen Green Bonds nicht mehr als ein Nischendasein. Zwar hat sich der Umlauf dieser Anleihen in den zurückliegenden drei Jahren auf EUR 130 Milliarden vervielfacht. Dies ist im Vergleich zum Volumen des weltweiten Anleihenmarktes jedoch kaum wahrnehmbar. Gerade einmal 0.15% machen Öko-Bonds am Gesamt-Anleihenmarkt aus. Gemessen an Emissionsvolumen machten Green Bonds 2016 immerhin bereits 1.4% des Gesamt-Emissionsvolumens aus. Doch Marktbeobachter sind sich wie selten zuvor einig: Dem Anleihensegment steht noch ein grosses Wachstum bevor – selbst bei einem US-Präsidenten, der den Klimawandel als „Schwindel“ bezeichnet. „Mit dem Schwung aus dem Klimaabkommen von Paris und einer steigenden Nachfrage von Investoren wird der Markt für Green Bonds 2017 einen neuen Meilenstein erreichen“, heisst es etwa in einer Studie von Moody‘s. Nachhaltigkeit in der Wertpapieranlage gehört unter Investoren mittlerweile zum guten Ton – es hat sich ein Bewusstsein dafür entwickelt, dass das eingesetzte Kapital auch für ökologisch oder sozial nachhaltige Projekte genutzt werden soll.
Moody‘s erwartet für das Jahr 2017 mehr als eine Verdopplung des Green-Bonds-Emissionsvolumens auf rund USD 200 Milliarden. Damit setzt das noch vergleichsweise junge Anlagesegment den Siegeszug in den vergangenen Jahren fort. Seit 2011 wuchs das Anleihensegment jährlich um gut 150%. Nachdem Polen 2016 den ersten staatlichen Green-Bond emittierte, dürften nach Frankreich weitere Länder folgen. Als Kandidaten werden auf dem Parkett Schweden, Japan oder einige afrikanische Staaten gehandelt. Die staatliche Zurückhaltung ist vor allem auf die hohen Anforderungen an solche Bonds geschuldet. Bei den Papieren muss genau nachgewiesen werden, wie viel Geld für welches Projekt ausgegeben wurde.
Konklusion:
Derzeit dominieren private Unternehmen und Förderinstitute wie das KfW oder die Europäische Investitionsbank. Wir erwarten, dass aber auch immer mehr Staaten aufspringen.