
Zwar fielen die jüngst vorgelegten Quartalszahlen der Wall-Street-Banken besser aus als befürchtet. Dennoch ein überzeugendes Bild liefern die Banken nicht ab. Vor allem das Tiefzinsumfeld macht den Instituten im klassischen Kreditgeschäft zu schaffen. Immerhin konnte das Handelsgeschäft aufgrund des wieder besseren Kapitalumfelds leicht erholen. Wir gehen grundsätzlich davon aus, dass das Geschäftsumfeld für die Branche auch in Q3 schwierig bleibt. Aber auf langfristige Sicht dürfte der Sektor bessere Zeiten sehen. Einen sehr attraktiven Einstiegspunkt liefert aus unserer Sicht die Aktie von Goldman Sachs. Die Investmentbank hat sich in den vergangenen Jahren deutlich gewandelt. Das volatile Handelsgeschäft, welches Goldman in guten Zeiten Milliardengewinne bescherte, wurde zurückgefahren. Dafür setzt die Bank mittlerweile mehr auf stabile Einnahmen aus der Vermögensverwaltung und der Kreditvergabe. Das klassische Investmentbanking, in dem Fusionen, Übernahmen und Restrukturierungen sowie das Geschäft mit Aktien- und Anleihenemissionen gebündelt ist, liefert gegenwärtig nur noch einen Umsatzbeitrag von gut 20%. Der Bereich institutionelle Kunden ist für 45% der Einnahmen verantwortlich und umfasst das Stellen von An- und Verkaufskursen für Wertpapiere (Market Making), die Erstellung maßgeschneiderter Wertpapiere und Absicherungsgeschäfte, Darlehen an Investoren und Research. Gut 15% der Umsätze entfallen auf die Sparte Investitionen und Kredite, in dem die Bank seine langfristigen Investments in Unternehmen konzentriert. Die restlichen gut 20% Erlösanteile entfallen auf den Bereich Investmentmanagement, in dem die Bank ihre Vermögensverwaltung für Privatkunden und Management von Investmentfonds zusammenfasst. Operativ hat die Bank zudem die Möglichkeit, die Kostenbasis noch signifikant zu senken. Vor allem die grosszügige Entlohnungspolitik der Bank, die nach wie vor mehr bezahlt als die Wettbewerber, lässt noch reichlich Luft für Kostensenkungen. Grössere Einschnitte sind daher möglich, ohne dass das Personal gleich abwandert. Im vergangenen Quartal sanken die vor allem von erfolgsabhängigen Boni beeinflussten Personalkosten um 40%. Auch wenn die Geschäfte nicht mehr so rund laufen wie noch vor ein paar Jahren – es ist lediglich eine Momentaufnahme. Die grundsätzliche Stärke der Bank ist nach wie vor unbestritten. An der Börse wird dies gegenwärtig nicht goutiert. Die Aktie wird mit einem Abschlag von gut 21% zum geschätzten Buchwert 2016 gehandelt. In den vergangenen fünf Jahren wurde der Titel im Schnitt mit einem Premium von 2% gehandelt.
Konklusion:
Die jüngst vorgelegten Zahlen von Goldman waren solide. Aus unserer Sicht ist Goldman derzeit die attraktivste Aktie unter den US-Finanzwerten.