
Bei Gilead Sciences läuft es an der Börse schon seit geraumer Zeit nicht mehr rund. Seit mittlerweile gut drei Jahren befindet sich das Papier des Biotech-Unternehmens im Sinkflug. Politische Diskussionen über die Preise von Medikamenten in den USA, die fallenden Umsätze im Hepatits-C-Geschäft und die aktuelle Produktepipeline hemmen eine Erholung an der Börse. Auch Gilead wird sich fragen müssen, in welche Richtung der Konzern gehen will. Denn ein „weiter so“ dürfte von den Börsianern nicht goutiert werden. An der Analystenkonferenz im Anschluss an die Zahlenvorlage zum zweiten Quartal überraschte CEO John Milligan. Bis dato galten kleinere Übernahmen im Onkologiebereich als die Kern-Akquisitionsstrategie. Doch davon scheint der Konzern mittlerweile abzurücken. So liess Milligan im Gespräch mit Analysten durchblicken, dass Gilead in dieser Hinsicht vielleicht nicht tätig werde. Aus unserer Sicht lassen sich die Aussagen des CEO in zwei Richtungen interpretieren. Entweder will Gilead eine Übernahme im Onkologiesegment durchziehen, mit der sich alles ändert – sprich ein Übernahmekandidat müsste gross genug sein, um beim Gilead-Umsatz langfristig einen Unterschied zu machen. Kleinere Unternehmen, deren Umsätze kaum zum Wachstum beitragen, scheinen somit auf der Streichliste zu sein. Unserer Ansicht nach kämen bei einem solchen Akquisitionsansatz eigentlich nur zwei Unternehmen in Frage: Incyte und Exelixis. Beide Unternehmen verfügen über eine attraktive Produktpalette und -pipeline im Onkologiesegment. Allerdings müsste Gilead dafür wohl tief in die Tasche greifen. Incyte wird an der Börse derzeit mit USD 26 Milliarden und Exelixis mit USD 8 Milliarden bewertet. Andererseits könnte Gilead sich auch komplett auf andere Marktsegmente ausserhalb der Onkologie refokussieren. Gilead-CEO Milligan hatte mehrmals gesagt, dass Gilead sich für Entzündung und nichtalkoholische Steatohepatitis (NASH) genauso interessiere. In diesem Bereich drängen sich unserer Ansicht nach drei Firmen auf. Vertex Pharmaceuticals, dass sich auf die Entwicklung von Medikamenten für zystische Fibrose konzentriert, aber mit gut USD 39 Milliarden bewertet wird und somit kaum zu stemmen sein dürfte. BioMarin, die sechs Medikamente zur Behandlung genetischer Krankheiten auf den Markt hat und mit USD 15 Milliarden attraktiv bewertet wird. Und Incyte, die neben einem starken Onkologie-Portfolio auch über das Medikament Baricitinib gegen rheumatoide Arthritis verfügt, wobei die FDA Anfang des Jahres keine Zulassung für das Medikament ausstellte, was weitere klinische Studien notwendig macht. Zudem hat Eli Lilly das Medikament 2009 von Incyte lizenziert.
Konklusion:
Gilead Sciences sondiert derzeit den Markt für Übernahmen – sowohl im Onkologie- als auch in anderen Bereichen. Incyte könnte ein sehr interessanter, wenn auch teurer Kandidat sein.