
Vom Glanz vergangener Tage ist beim amerikanischen Industriekonzern nicht mehr viel übrig. Vor allem für Alt-Aktionäre ist ein Blick auf die Aktienkursentwicklung in den vergangenen zwei Jahrzehnten ernüchternd. Fast 80% hat die Aktie seit dem Allzeithoch im Jahr 2000 an Wert verloren – es war, trotz einiger Phasen mit steigenden Kursnotierungen, ein kontinuierlicher Kurszerfall. Allein in den vergangenen 52 Wochen verlor das Papier im Tief fast 60%. Der amerikanische Mischkonzern kämpft seit einigen Quartalen gegen eine ausgeprägte Schwäche im Geschäft mit Gasturbinen für die Stromerzeugung. Allein im vierten Quartal 2017 sank der Spartenumsatz um 15% auf USD 9.4 Milliarden. Der Segmentsgewinn brach sogar um 88% auf USD 260 Millionen ein. Die Probleme von GE in der Sparte sind branchenübergreifend und zwangen auch Wettbewerber Siemens zum Handeln. Die Energiewende in weiten Teilen der Welt bevorzugt vor allem kleine, dezentrale Lösungen. Darüber hinaus schützen viele Staaten ihre Kohleindustrie, der erhoffte Wechsel von Kohle- zu effizienten Erdgaskraftwerken findet nicht in dem Ausmass statt wie erhofft. Zudem sinkt die Stromnachfrage in China. Während Siemens früh auf den Wandel reagierte und sich einem tiefgreifenden Strukturwandel auferlegte, um sich zu einem Technologiekonzern zu entwickeln, sonnte man sich bei GE zu lange in den Erfolgen der Vergangenheit. Als der langjährige CEO Jeffrey Immelt im August 2017 geschasst wurde, ist der Konzern auf der Suche nach einer Strategie, um dem sich massiv wandelnden Geschäftsumfeld anzupassen. Bis heute hüllt sich aber auch der neue CEO, John Flannery, diesbezüglich in Schweigen. Doch der Druck der Aktionäre auf die Vorstandsetage steigt, wie die Aktienkursentwicklung in den vergangenen Monaten impliziert. Sie wollen Veränderungen sehen – am liebsten in Form von Abspaltungen einzelner Sparten. Zumal Berichte über verschwenderische Ausgaben und frisierte Bilanzen das Aktionärsvertrauen weiter geschwächt haben. Angeblich erwägt der Konzern nun den Börsengang seiner Transportsparte GE Transportation. Auch andere Sparten sollen eine separate Börsennotierung erhalten oder mit anderen börsennotierten Unternehmen zusammengelegt werden. Das klingt auf den ersten Blick zwar vielversprechend. Allerdings halten sich seit Monaten Gerüchte, dass der Konzern diese oder jene Sparte abspalten will – konkret ist gar nichts. Am 20. April wird CEO Flannery die Zahlen für das erste Quartal 2018 vorlegen. Aus unserer Sicht muss er zu diesem Zeitpunkt auch Details über den geplanten Konzernumbau vorlegen – andernfalls dürfte das Vertrauen der Aktionäre weiter schwinden. Darüber hinaus muss GE zeigen, dass die Prognosen für 2018 noch erreichbar sind – denn diese wurden nach Vorlage der Q4/2017-Zahlen noch bestätigt. Sollte sich die Serie der Enttäuschungen jedoch auch bei den Q1/2018-Zahlen fortsetzen, dürfte die jüngst ausgebildete Bodenbildung beim Aktienkurs bereits wieder der Vergangenheit angehören und die Aktie in Richtung des 2008er-Tiefs bei unter USD 10 tendieren. Die Analysten haben zumindest vorgesorgt und ihre Erwartungen in den letzten Wochen deutlich nach unten korrigiert. Für das erste Quartal erwarten die Experten einen Umsatz von USD 27.5 Milliarden und ein Ergebnis je Aktie von USD 0.12. Der operative Gewinn auf Stufe Ebitda soll USD 2.55 Milliarden betragen. Anleger sollten die Aktie nicht blind kaufen. GE kämpft derzeit an vielen Fronten und markante Fortschritte sind noch nicht erkennbar – es drohen aus unserer Sicht weiter böse Überraschungen. Zudem ist das Chartbild trotz der jüngsten Bodenbildung nach wie vor schwach. Das Chance-Risiko-Profils des GE-Papiers ist nicht sonderlich attraktiv.
Konklusion:
Bleiben Sie noch an der Seitenlinie stehen. Ein Kauf des GE-Papiers drängt sich aufgrund der hohen Unsicherheiten gegenwärtig nicht auf. Wir können böse Überraschungen nicht ausschliessen.