
Um den in der Krise steckenden amerikanischen Industriekonzern ist es in den vergangenen Monaten ruhig geworden. Zum Glück, dürften die zahlreichen Aktionäre sagen. Miese Quartalszahlen, eine sehr schlechte Performance der Kraftwerkssparte, mehrere Wechsel im Management und ein kaum für möglich gehaltener Kursabsturz an der Börse prägten das Bild von General Electric in den vergangenen 36 Monaten. Zur Verdeutlichung: Noch Ende 2016 notierte der Titel oberhalb der Marke von USD 30 – bis Ende 2018 war die Aktie bis auf USD 6.66 regelrecht implodiert. Die Aktie notierte tiefer als zu Zeiten der Finanz- und Wirtschaftskrise vor mehr als zehn Jahren. Mit der Inthronisierung des aktuellen CEO Larry Culp folgte nach den Zeiten der Irrungen und Wirrungen der radikale Umbau des Konzerns – inklusive einer Kehrtwende an der Börse. Seit dem Tief Ende 2018 hat sich der Titel wieder in den zweistelligen Bereich zurückgekämpft. Culp hat in seiner vergleichsweise kurzen Zeit als CEO bereits einige markante Duftmarken gesetzt: Zahlreiche Geschäftsfelder wie das Biopharma-Geschäft, die Beteiligung an Baker-Hughes, eine Öl-Service-Gesellschaft oder Teile der Digitalsparte stehen zum Verkauf bzw. wurden bereits veräussert. Es geht primär darum, dem Konzern wieder Spielraum – auch in finanzieller Hinsicht – zu verschaffen, um die Krise im Kraftwerksgeschäft endlich in den Griff zu bekommen. Allerdings ist die Krise tiefergreifend und nicht von temporärer Natur. In Zeiten der Energiewende sind grosse Turbinen schlicht nicht mehr gefragt. Diese Herausforderung widerspiegelt sich auch an der Börse, wo die Aktie zuletzt in eine Seitwärtsbewegung einschwenkte – die Frage, ob die Fehler der Vergangenheit restlos kompensiert werden können, beschäftigt die Anleger nach wie vor. Die Marktkapitalisierung des Konzerns beläuft sich aktuell auf gerade noch USD 91 Milliarden – werthaltige Assets wie das Luftfahrtgeschäft oder die Medizintechnik werden angesichts dieser Konzern-Bewertung mit einem deutlichen Abschlag gehandelt. In der niedrigen Marktkapitalisierung spiegelt sich zugleich der Fakt wider, dass der Konzern weiter immense Summen verbrennt – das Cash-Flow-Problem ist nachhaltig nicht gelöst. Zumal die Gefahr besteht, dass Altlasten, wie beispielsweise GE Capital, noch weitere Abschreibungen nach sich ziehen.
Die Analystengemeinde ist aber zuversichtlich, dass GE den Umbruch meistern wird. Beim Ebit und Ebitda erwarten sie 2019 und 2020 bereits signifikante Verbesserungen, beim Cash Flow wird die Trendwende 2020 erwartet. Dann soll der Cash Flow pro Aktie im Vergleich zu 2019 um satte 119% ansteigen.
Konklusion:
Anleger sollten sich der Risiken eines Investments in GE bewusst sein. Wir erhöhen unser Rating auf „Kaufen“, wobei wir die Aktie derzeit eher risikofreudigen Investoren empfehlen.