
Als „digitales Industrieunternehmen“ bezeichnet sich General Electric mittlerweile gerne selbst – von einem konglomeratsähnlichen Mischkonzern, ein Ruf, der den Konzern über Jahrzehnte begleitet, will das Management um CEO Jeff Immelt nichts mehr hören. Die „Industrie 4.0“ ist für den grössten amerikanischen Industrieausrüster ein Zukunftsfeld, das glänzende Geschäfte verspricht. „Wir werden weiterhin ins industrielle Internet investieren, um unsere Kunden bei Leistung und Produktivität führend zu machen“, kündigte Immelt an. Geschäftlich hängt der Konzern jedoch noch immer stark vom klassischen Öl- und Gasgeschäft ab, was auch die jüngst vorgelegten Zahlen für das vierte Quartal 2016 zeigten. Im Abschlussquartal 2016 sanken die Konzernerlöse um gut 2% zwei Prozent auf USD 33.1 Milliarden. Die Bilanz litt stark unter der Öl- und Gas-Sparte, wo die Erlöse um 22 % schrumpften. Zugleich sanken die operativen Margen in zahlreichen Sparten – vor allem im Industriesegment macht sich damit der zunehmende Preiskampf bemerkbar. Überraschend war jedoch vor allem die negative Margenentwicklung im eigentlichen Wachstumssegment „Renewables“ – die operative Marge ging um 160 Basispunkte zurück. Analysten hatten im Schnitt mit einer Margenverbesserung gerechnet. Unter dem Strich verlief das vierte Quartal 2016 für das digitale Industrieunternehmen enttäuschend – dies hatte sich schon bei der Vorlage der Q3-Zahlen angedeutet.
Ausblick mit einem grossen Unsicherheitsfaktor
Für das laufende Geschäftsjahr stellt General Electric ein Umsatzwachstum zwischen 3% bis 5% in Aussicht. Zugleich soll die operative Marge auf Konzernebene um 100 Basispunkte verbessert werden. Aufgrund der niedrigeren Vergleichsbasis 2016 dürfte unter dem Strich somit ein Gewinn zwischen USD 1.60 bis USD 1.70 herausspringen. Allerdings ist der Ausblick mit einem grossen Unsicherheitsfaktor verknüpft – und dieser heisst einmal mehr Donald Trump. Denn General Electric rechnet damit, dass der neue US-Präsident die angekündigten Infrastrukturprogramme schnell aufgleisen wird. Sollte Trump jedoch am Widerstand des Kongresses scheitern oder sollten sich die angekündigten Programme zeitlich verzögern, könnte sich die GE-Prognose als Makulatur herausstellen. Etwas mehr Rückenwind könnte der Konzern jedoch in der so wichtigen Öl- und Gassparte erfahren. Wir gehen davon aus, dass die Branche – sofern sich die Ölpreise im Bereich um USD 58 halten – auf Mitte des Jahres ihre Investitionen wieder steigern werden. Wir bevorzugen Investments in Siemens, die sich in ihren Ausblicken weit weniger stark auf den neuen US-Präsidenten berufen.
Konklusion:
Die Aktie von GE ist im Vergleich zum grössten Konkurrenten Siemens teuer bewertet. Auch was den Ausblick und die Transformation des operativen Geschäfts angeht gefällt uns Siemens besser.