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Fundamentale Analyse

Traut sich die EZB an Aktienkäufe?
Die Europäische Zentralbank stösst mit ihrem Wertpapierkaufprogramm je länger je mehr an ihre Grenzen. Laut Berechnungen der französischen Grossbank Société Générale erreicht die EZB – vor dem Hintergrund der bestehenden Rahmenbedingungen für das Kaufprogramm – im November dieses Jahres das Limit bei finnischen Staatsanleihen. Im März kommenden Jahres könnte die EZB bei deutschen Staatsanleihen die Grenze des derzeit erlaubten Volumens erreichen. Bereits jetzt orten zahlreiche Ökonomen eine Knappheit öffentlicher Anleihen – vor allem in Deutschland, Finnland, Irland und Portugal.
Angesichts dieser bevorstehenden Knappheit wird derzeit über die Möglichkeit einer Ausweitung der Wertpapierkäufe auf Aktien auf dem Börsenparkett diskutiert. Karsten Junius, Chefökonom der Schweizer Bank J. Safra Sarasin, empfiehlt der EZB Aktienkäufe nach dem Vorbild der Schweizerischen Nationalbank – diese hält mittlerweile gut CHF 100 Milliarden in Aktien, was gut einem Fünftel der Bilanzsumme entspricht. Die SNB halten derzeit vor allem amerikanische Aktien. Über die Hälfte des Portfolios (61 Milliarden) steckt aktuell in US-Titeln. Die Notenbank hält grössere Anteile an Microsoft, ExxonMobil und Apple. Allerdings ist die Intention des Eingreifens eine ganz andere. Während die EZB vor allem die Konjunktur in Gang bringen will, zielt die SNB darauf ab, den Franken stabil zu halten. Entsprechend wäre eine Ausweitung des EZB-Kaufprogramms auf Aktien auch eher mit dem Vorgehen der japanischen Notenbank, der Bank of Japan (BoJ), vergleichbar. Diese hat ihre expansive Geldpolitik seit längerer Zeit auch auf Aktien ausgeweitet. Seit sechs Jahren erwirbt die BoJ beispielsweise Aktien-ETFs. Vor kurzem verdoppelte sie ihre Anlagesumme von JPY 3 Billionen auf JPY 6 Billionen (rund EUR 53 Milliarden) und ihr Einfluss auf die japanische Unternehmenswelt steigt stetig. Mittlerweile ist die BoJ einer der fünftgrössten Investoren bei 81 Unternehmen im japanischen Nikkei 225. Bis Ende des Jahres wird die japanische Notenbank bei 55 Firmen gar der grösste Aktionär sein, hat Bloomberg ermittelt. Bereits heute ist die BoJ der Hauptaktionär des japanischen Mischkonzerns Yamaha. Vereinzelt hält die Bank of Japan über 50% des Streubesitzes. Hält die BoJ noch über längere Zeit an diesem Kauftempo fest, muss damit gerechnet werden, dass selbst ein so liquider Markt wie jener für Aktien austrocknet. Dies kann zu massiven Verwerfungen führen. Noch ist unklar, ob eine Ausweitung des EZB-Kaufprogramms auf Aktien überhaupt mit deren Mandat vereinbar ist. Doch es muss langsam vor der Allmacht der Notenbanken auf den Kapitalmärkten gewarnt werden.
Konklusion:
Wir sprechen uns deutlich gegen eine weitere Ausweitung der EZB-Geldpolitik aus. Bereits heute führt die Geldpolitik der Notenbank zu einer verzerrten Realität an den Märkten.