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Fundamentale Analyse - USA

Schwaches Wachstum und niedrige Zinsen – The New Normal
Auf den ersten Blick lief die jüngste Zinssitzung der amerikanischen Notenbank Fed ohne grössere Überraschungen ab. Wie von uns seit Längerem in Aussicht gestellt, hielt die Notenbank an dem im Dezember 2015 angehobenen Zinsband von 0.25% bis 0.5% fest. Auf den zweiten Blick zeigt sich unseres Erachtens jedoch, dass die Tauben in den Reihen der Notenbank wieder mehr Gewicht erhalten – sie sind die Fürsprecher einer expansiven Geldpolitik, um die amerikanische Wirtschaft zu stützen. Zwar rechnet eine Mehrheit der verantwortlichen Fed-Mitglieder damit, dass das Fed im Jahr 2016 noch zweimal den Zins anheben wird. Zugleich stieg jedoch die Zahl der Geldpolitiker, die für 2016 nur noch einen Zinsschritt erwarten, von einem im März auf nunmehr sechs Fed-Mitglieder. Auch wir erwarten, dass das Fed in diesem Jahr den Leitzins maximal noch einmal – gegen Ende des Jahres, nach den Präsidentschaftswahlen im November – anheben wird. Wenn überhaupt. Nach dem jüngsten enttäuschenden Arbeitsmarktbericht Anfang des Monats und schwachen Industrieproduktionsdaten im Mai – die Industrieproduktion sank um 0.4% gegenüber dem Vormonat, die Kapazitätsauslastung fiel auf 74.9% von 75.3% – zeichnet sich eine Verlängerung der konjunkturellen Delle in den USA ab. Dies dürfte dazu führen, dass auch Fed-Chefin Janet Yellen zur Gruppe der Tauben konvertiert ist. Dies wäre ein deutliches Zeichen dafür, dass das Fed die Zinsen mitunter weitaus langsamer anheben wird als noch erwartet wird. In dieses Szenario passt, dass die Fed-Chefin den Aspekt des sog. realen neutralen Zinssatzes an der Pressekonferenz ausgiebig thematisierte. Das ist der Leitzins, abzüglich der Inflation, bis zu dem die Fed erhöhen kann, ohne die Wirtschaft zu bremsen. Gemäss Aussagen der Fed-Chefin spräche vieles dafür, dass dieser bei null liege. Das heisst, dass das Fed selbst wenn sie ihr Inflationsziel von 2% erreicht, den Leitzins nur auf 2% erhöhen kann, sofern das Fed die wirtschaftliche Erholung der USA nicht bremsen will. Auffällig war, dass Yellen stark betont, dass der reale neutrale Leitzins aufgrund der schwachen Konjunkturentwicklung und der demografischen Entwicklung sehr lange Zeit niedrig bleiben dürfte. Dies nährt aus unserer Sicht die Prognose, dass sich die USA auf lange Sicht auf ein niedriges Wachstum und niedrigen Zinsen einstellen müssen. Angesichts dieser Ausführungen halten wir es für zunehmend wahrscheinlich, dass das Fed die geldpolitische Normalisierung noch deutlich langsamer angehen könnte als bisher erwartet wird. Selbst eine neuerliche Zinssenkung oder ein viertes Quantitative Easing – als Folge eine britischen „Ja“ zum EU-Austritt – halten wir für zunehmend realistisch, wobei die Wahrscheinlichkeit eines solchen Vorgehens unseren Prognosen zufolge derzeit nur 15% beträgt.
Konklusion:
Die US-Notenbank wird mit ihren Zinsanhebungsprognosen immer vorsichtiger. Wir rechnen damit, dass das Fed den Leitzins nur noch einmal in diesem Jahr anheben wird – wenn überhaupt!