Die amerikanische Notenbank Fed macht derzeit nicht nur durch ihre Geldpolitik von sich Reden. Auch auf personeller Ebene herrscht beim mächtigen Finanzgremium grosse Unruhe – ein personeller Neustart steht bevor. Stanley Fischer, der Vize-Chef des Fed, hat vor wenigen Tagen völlig überraschend seinen Rücktritt eingereicht. Aus persönlichen Gründen werde er sich Mitte Oktober aus dem Fed zurückziehen, wie Fischer in einem Brief an US-Präsident Donald Trump schrieb. Gründe für seinen Rücktritt nannte er dabei nicht. Aus unserer Sicht liegen diese jedoch in der geplanten Deregulierung der US-Finanzbranche, die Trump mit Hochdruck vorantreibt. Erst im Juni dieses Jahres hat das Finanzministerium Pläne für mehr als hundert Änderungen an der geltenden Bankenregulierung vorgelegt, die als Reaktion auf die Finanzkrise der Nullerjahre eingeführt wurden. Fischer, der von Ex-Präsident Barack Obama im Jahr 2014 ins Fed berufen worden war, hatte sich mehrfach gegen die geplante Bankenderegulierung ausgesprochen. Diese sei „gefährlich und extrem kurzsichtig“. Es gebe beunruhigende Anzeichen für eine Rückkehr zu dem Prä-Finanzkrisen-Zustand, hatte Fischer kritisiert und ging damit auf Konfrontationskurs mit Trump. Fischers offizielle Amtszeit hätte eigentlich erst 2018 geendet – nun hat Trump die Gelegenheit, das Fed nach seinem Gutdünken etwas früher umzugestalten. Trump hatte im Vorfeld Randal Quarles als möglichen Nachfolger für den Fed-Vizeposten nominiert. Quarles gilt als Anhänger einer weichen Gangart gegenüber Banken und einer relativ harten Geldpolitik. Ursprünglich sollte Quarles oberster Bankenaufseher der US-Notenbank (Fed) werden und damit der einflussreichste Kontrolleur der Branche. Er hätte auf einer Stufe mit Fischer gestanden. Nun dürfte er Fischer ganz ersetzen. Gänzlich offen scheint dagegen wieder das Rennen um den Chefposten bei der amerikanischen Notenbank. Denn Trumps Favorit, Gary Cohn, scheint beim Präsidenten in Ungnade gefallen zu sein. Nach den rechtsextremen Ausschreitungen von Charlottesville hatte Cohn in einem Interview mit der Financial Times gesagt, dass die Regierung besser darin werde müsse, Rassisten „konsequent und unzweideutig zu verurteilen“. In den Augen von Trump ein offener Affront, und wie wir wissen: Der Präsident vergisst nicht. Damit scheint die Nachfolge von Janet Yellen, deren Amtszeit im Februar 2018 endet, wieder offen. Derzeit werden der frühere Fed-Governeur Kevin Warsh und Stanford-Ökonom John Taylor als mögliche Nachfolger gehandelt. Aber Trump könnte auch für eine faustdicke Überraschung sorgen. Denn es halten sich Gerüchte, wonach der Präsident einer weiteren Amtszeit von Yellen mittlerweile nicht mehr ganz so ablehnend gegenüberstehen soll. Allerdings steht auch sie den Deregulierungsplänen des Präsidenten sehr kritisch gegenüber, womit die Wahrscheinlichkeit einer zweiten Yellen-Amtszeit nahe Null tendieren dürfte.
Konklusion:
Mit Blick auf den anstehenden personellen Neustart beim Fed dürfte Chefin Yellen eine neutrale Geldpolitik anstreben, um ihrem Nachfolger alle Handlungsmöglichkeiten offen zu halten.