Die Chancen auf eine erfolgreiche Präsidentschaft steigen
Wir haben aus unserer Abneigung gegenüber dem US-Präsidenten Donald Trump nie einen Hehl gemacht – er steht für alles, was wir aus politischer und wirtschaftlicher Sicht ablehnen. Allerdings scheint sich derzeit ein Wandel zu vollziehen, der Trump in einem etwas präsidialerem Licht erscheinen lässt. Es keimt zumindest ein Funken Hoffnung, dass Donald Trump von seiner Haudrauf-Politik abkehrt und mehr auf Konsens setzt – was auch den US-Börsen zugutekommen könnte.
1. Rückzug aus der Geopolitik: „America First“ galt für Trump auch in der Aussenpolitik. Er wollte die USA aus der Rolle der Weltpolizei herauslösen und andere Staaten stärker in die Pflicht nehmen. Doch seine harte Gangart gegen Syrien und seine Drohgebärden Richtung Nordkorea haben ihm auf politischer Ebene viel Lob eingebracht – auch wenn man den Angriff auf die syrische Militärbasis als Reaktion auf einen Giftgasangriff auf eine syrische Ortschaft durchaus kritisieren darf. Eine 180-Grad-Wende hat Trump auch bezüglich der NATO eingeschlagen. Betitelte er das nordatlantische Militärbündnis lange als obsolet, sagte er jüngst, dass die NATO ein „Bollwerk“ für Frieden und Sicherheit sei.
2. Entmachtung von Chefstratege Stephen Bannon: Er war der Kopf des rechtspopulistischen Wahlkampfs von Trump und bestimmte anfänglich die wirtschafts- und aussenpolitische Linie der Regierung. Nun scheinen die gemässigteren Kräfte um Trumps Berater und Schwiegersohn Jared Kushner im Regierungslager jedoch die Oberhand zu gewinnen. Bannon wurde bereits aus dem Sicherheitsrat des Präsidenten verbannt und seine Rolle als „Einflüsterer“ des Präsidenten deutlich beschnitten. Die politischen Fehlschläge (Gesundheitsreform, Einreiseverbot und massiv sinkende Umfragewerte) dürften Trump und seinem Team die Augen geöffnet haben, dass Bannon mehr Belastung als Befreiung ist.
3. China: Eine 180-Grad-Wende hat Trump auch mit Blick auf die Grossmacht China hingelegt – von einem Konfrontations- zu einem Kuschelkurs. Nach dem Besuch von Chinas Präsident Xi Jinping sagte Trump: „Sie sind keine Währungsmanipulatoren.“ China habe aufgehört, seine Währung zu manipulieren und ein Vorgehen gegen die zweitgrösste Volkswirtschaft würde eine Lösung der Nordkorea-Krise behindern. Vor wenigen Wochen hatte Trump noch Gegenteiliges gesagt.
4. Reformvorhaben: Die gescheiterte Gesundheitsreform hat Spuren hinterlassen. Der Präsident scheint sich bewusst zu werden, dass er nur zusammen mit den Republikanern und Teilen der Demokraten etwas bewegen kann. Nach amerikanischen Medienberichten ist Trump derzeit bei Demokraten und Parteikritikern auf Werbetour für seine grosse Steuerreform und die Infrastrukturprogramme.
Konklusion:
Sollte Trump tatsächlich präsidialer werden, steigen seine Chancen, zumindest Teile seiner ambitionierten Wahlversprechen umzusetzen. Dies dürfte auch an der Börse gefallen finden.