Blutleeres US-Wachstum
Das amerikanische Wirtschaftswachstum hat sich in den zurückliegenden drei Monaten entgegen den Erwartungen sehr träge entwickelt. Das Bruttoinlandsprodukt wuchs im zweiten Quartal auf das Jahr hochgerechnet nur um 1.2%. Dies liegt deutlich unter dem Wert, den die Ökonomen im Schnitt in Aussicht gestellt hatten. Diese hatten ein Plus von ansehnlichen 2.6% prognostiziert. Das Wachstum ist damit bereits die dritte Berichtsperiode in Folge geringer als 2%. Zugleich revidierten die Statistiker die Wachstumszahl für das erste Quartal deutlich nach unten. Neu wuchs das BIP im ersten Jahresviertel nur um 0.8% anstatt der ursprünglich mitgeteilten 1.1%. Jüngst vermeldete die amerikanische Notenbank jedoch, dass die Betriebe des verarbeitenden Gewerbes im Juni 0.6% mehr herstellten als im Vormonat. Das ist der höchste Anstieg seit Juli 2015. Ein positives Zeichen für den weiteren Konjunkturverlauf. Rückläufig waren vor allem die Firmeninvestitionen, die landesweit im zweiten Quartal um 2.2% zurückgingen. Die Konsumenten erwiesen sich hingegen einmal mehr als die grosse Stütze für die US-Wirtschaft. Der Konsum legt in Q2 um stattliche 4.2% gegenüber dem ersten Quartal 2016 zu. Allerdings scheint die gute Stimmung unter den amerikanischen Verbrauchern zunehmend zu verflachen. Der Stimmungsindikator der Michigan University fiel im Juli überraschend auf 89.5 Zähler von 93.5 Punkten im Juni. Auf dem Börsenparkett wurden die jüngsten Wachstumszahlen mit einem Schulterzucken wahrgenommen. Es sei gut möglich, dass ein Wirtschaftswachstum von unter 2% zur Normalität in den USA werde, hiess es seitens einiger Händler. Vor allem mit Blick auf die jüngste Vergangenheit seit der Finanzkrise und der damit verbundenen Rezession macht deutlich, dass die USA im Vergleich zu früheren Phasen weit weniger dynamisch wachsen. In den vergangenen fünf Jahren wuchs die Wirtschaft im ersten Quartal 2015 mit 3.5% am stärksten. Zum Vergleich: Nach dem Platzen der Dotcom-Blase und der anschliessenden Rezession wuchsen die USA zur Mitte der Nuller Jahre um 4.5%; in den 1990er Jahren waren sogar Werte von 5% keine Seltenheit. Entsprechend lässt sich daraus folgern, dass die ultralockere Geldpolitik zwar geholfen hat die Rezession zum Ende der Nuller Jahre schneller zu überwinden. Danach führte diese Politik aber vor allem zu einer massiven Vermögensfehlallokation am Aktien- und Anleihenmarkt. Langfristig muss dies zurückgebildet werden – ein für Anleger sehr schmerzhafter Prozess. Zweitens wäre die Fed gut beraten, sich den neuen Realitäten zu stellen und die nächste Zinserhöhung spätestens Ende dieses Jahres durchzuführen, um die Fallhöhe an den Märkten nicht in den Himmel steigen zu lassen.
Konklusion:
Die US-Wirtschaft ist im zweiten Quartal überraschend schwach gewachsen. Dennoch wäre das Fed gut beraten, die nächste Zinserhöhung nicht ewig hinauszuzögern.