
Das Fundament ist mitunter dünner als erwartet
Die laufende Berichtssaison in den USA kann überzeugen. Die Gewinne als auch die Umsätze der Unternehmen sind deutlich stärker gestiegen als von Analysten in Aussicht gestellt. Die Gewinne liegen rund 17%, die Umsätze gut 3% über den Konsensschätzungen. Und auch die Unternehmensausblicke sind ansprechend. Die Gewinnaussichten hellen sich mehr und mehr auf und könnten im Zuge der kommenden Monate sogar noch deutlich steigen. Denn die Stützungsmassnahmen der Politik sowie die Hilfsprogramme der Notenbank Fed stützen den Markt nicht nur, sondern führen dazu, dass es auf mittlere Sicht sogar Überstimulierungseffekte geben könnte, welche, zusammen mit den angelaufenen Nachholeffekten auf Seiten der Konsumenten, zu einem konjunkturellen Boom in den USA führen sollten. Dass die jüngsten, eher schwachen US-Arbeitsmarktdaten für Januar – die US-Wirtschaft schuf deutlich weniger neue Stellen als erwartet – an den Börsen kaum Beachtung fanden, lässt sich dabei schnell erklären. Denn ein sehr starker Bericht hätte nichts an der Tatsache geändert, dass die Administration Biden an ihrem billionenschweren Hilfsprogramm festhält. Ein schwacher Arbeitsmarktbericht führt hingegen nur dazu, dass das geplante USD 1.9 Billionen-Programm sogar am oberen Ende ausfallen dürfte. Darüber hinaus weisen die sonstigen Stimmungsbarometer der US-Wirtschaft in die richtige Richtung. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe ging stärker zurück als erwartet. Der Einkaufsmanagerindex der Industrie fiel ebenso wie der Einkaufsmanagerindex des Dienstleistungssektors besser aus als prognostiziert. Kurzum: Die Rallye wird gegenwärtig von drei Säulen getragen: Das Comeback der US-Wirtschaft, das Wiedererstarken von Corporate America und die Aussicht auf weitere fiskalische Stützungsmassnahmen – sie halten die Aktienmarktrallye am Leben. Allerdings gibt es Indikatoren, die durchaus zur Vorsicht mahnen und die verdeutlichen, dass der Aufschwung am Aktienmarkt auf einem dünnen Fundament steht und keineswegs so breit getragen wird, wie dies die Aktienindizes mitunter signalisieren. Eine Statistik von IBES zeigt, dass selbst Aktien jener Unternehmen, die die Erwartungen mit ihren Quartalszahlen schlagen könnten, gemessen am Median 1.1% verloren haben. Dies ist die schlechteste Bilanz seit mehr als zehn Jahren. Auch ein Blick auf den MSCI World verdeutlicht, dass die Aktienrallye keineswegs homogen ist. Derzeit performen nur 35% der im MSCI World erfassten Aktien besser als der Index. Das ist der tiefste Wert seit dem Jahr 2008. Dies verdeutlicht, dass am US-Aktienmarkt sehr viel Positives einpreist und die Bewertungen mittlerweile in extrem hohe Gefilde gelaufen sind.
Konklusion:
Der US-Aktienmarkt hat wieder einen Gang hochgeschaltet. Und ein Ende der Rallye ist kurzfristig nicht in Sicht. Das Comeback der Wirtschaft, starke Zahlen von Corporate America und fiskalische Stimuli treiben die Aktienkurse weiter an.