
Blasen sind immer – ohne Ausnahme – geplatzt
Die Irrungen und Wirrungen, welche der Zockerkrieg zwischen professionellen Shortakteuren und einer Community gut vernetzter Kleinanleger ausgelöst hat, übertüncht unseres Erachtens das wahre Problem an den amerikanischen Aktienmärkten. Denn diese feiert seit Monaten eine vor gut einem Jahr kaum für möglich gehaltene Börsenparty – und diese könnte durch die neue Regierung im Weissen Hause nochmals befeuert werden. Denn der neue Präsident Joe Biden könnte dank der Mehrheit der Demokraten im Senat zumindest theoretisch durchregieren. Sollte das angekündigte USD 1.9 Billionen schwere Hilfspaket durch die politischen Instanzen durchgewunken werden, sollte dies an den Börsen nochmals Jubelstimmung aufkommen lassen. Die Wirtschaft, welche stark unter der Gesundheitskrise leidet, wird gestützt, der Konsum wird befeuert und die Märkte mit Geld geflutet. Im Zusammenspiel mit den fortschreitenden Impfungen gegen Covid-19 und der sich abzeichnenden globalen Konjunkturbeschleunigung dürfte es an den Börsen keinen Halt mehr geben. Denn wir gehen davon aus, dass ein nicht kleiner Teil dieser Hilfsgelder in den Aktienmarkt fliesst – dies war bereits beim Hilfspaket der Trump-Administration zu beobachten. Während die Aktienkurse neue Rekordlevels erreichten, blieb der erhoffte Konsumboom aus und die Produktion der amerikanischen Industrie kam ebenfalls nicht vom Fleck. Sollte sich diese Entwicklung auch beim neuen Hilfspaket der Administration Biden manifestieren, dürfte der ohnehin heiss gelaufene US-Aktienmarkt zusätzlich befeuert werden. Manche Kommentatoren sehen bereits heute eine epische Blase an den US-Aktienmärkten. Die gegenwärtige Mini-Korrektur, welche den Markt jüngst minimal belastete, ändert an diesem Szenario nichts. Die Aktienbewertungen haben mittlerweile ein bedenkliches Niveau erreicht, wobei die Aussagekraft der Kurs-Gewinn-Verhältnisse aufgrund der politisch gewollten Geldflut an Aussagekraft verloren. So weisen zahlreiche Aktien bei anderen Bewertungsindikatoren ein Verhältnis auf, welches nicht mehr gesund ist. Wenn ein Unternehmen mit dem Zehn-, Zwanzig- oder Dreissigfachen des Jahresumsatzes bewertet wird, dann klingeln die Alarmglocken. Mit Blick auf unsere eigene Historie und unsere eigenen Erfahrungen haben wir eines gelernt: Wenn ein solches Level an Super-Enthusiasmus erreicht worden ist, wie es aktuell zu beobachten ist, dann sind diese Blasen noch immer ausnahmslos mit einem lauten Knall geplatzt. Wir wissen weder, was diesen Knall auslösen wird, noch wann die Blase platzt. Aber sie wird platzen. Entsprechend bleiben wir vorerst im Markt engagiert, um die vielleicht letzte Phase der Mega-Rallye noch mitzunehmen. Aber wir stellen uns darauf ein, dass diese Party mit einem schrecklichen Kater enden wird.
Konklusion:
Man sollte tanzen, solange die Musik spielt. Noch hören wir laute Musik. Doch das Ende der Party könnte schneller einsetzen als befürchtet.