
Der US-Aktienmarkt läuft heiss
Die Hoffnung auf ein neues Konjunkturpaket und weitere geldpolitische Stimuli scheinen den Börsen in den USA weiteren Rückenwind zu geben – auch wenn die Aufwärtsdynamik zuletzt etwas abgenommen hat. Der bestenfalls durchwachsen ausgefallene US-Arbeitsmarktbericht für November dürfte die Stimmung nicht lange Zeit dämpfen. Die Logik dahinter: Die schwachen Zahlen erhöhen den Druck auf die Politik, noch vor der Amtsübergabe von Präsident Donald Trump an seinen Nachfolger Joe Biden am 20. Januar 2021 ein neues billionenschweres Konjunkturprogramm zu initiieren. Auch der Druck auf die amerikanische Notenbank Fed, die ohnehin ultralockere Geldpolitik nochmals auszuweiten, ist durch den Arbeitsmarktbericht erhöht worden. Alles gut also – stellen wir uns auf weiter steigende Notierungen ein. Doch es gibt mittlerweile zahlreiche Indikatoren, die auch uns zu einer grösseren Vorsicht mahnen. Denn die Levels an Euphorie, die wir gegenwärtig beobachten können, sind schon fast beängstigend. So näherte sich beispielsweise der viel beachtete Citigroup „Panik-Euphorie-Index“ Anfang Dezember dem höchsten Niveau seit dem Jahr 2000 – auf dem Höhepunkt der Dotcom-Blase erreichte der Index ein historisches Hoch. Auch an den Optionsmärkten in den USA herrscht überbordende Euphorie. In den vergangenen 20 Handelstagen (per Anfang Dezember) wurden täglich im Schnitt 20 Millionen Kaufoptionen gehandelt, am Tag vor Thanksgiving wurden gar 35 Millionen Kaufoptionen gehandelt – beide Werte sind rekordverdächtig. Die Call-Put-Ratio an der Chicagoer Börse näherte sich jüngst dem tiefsten Stand seit zwei Jahren. Auch die Reaktionen der Marktteilnehmer auf verfehlte Erwartungen mahnen zur Vorsicht. Salesforce präsentierte fantastische Zahlen – alle Kennzahlen lagen über den Erwartungen. Bemängelt wurde jedoch der Ausblick des Unternehmens. Dieser fiel „nur“ ein wenig besser aus als erwartet. Das war den Börsianern einfach nicht gut genug. Die Aktie reagierte negativ. Auch die sehr guten Zahlen von HP Enterprise kamen am Markt nicht gut an – obwohl alle Kennzahlen besser als erwartet waren und der Ausblick für das Geschäftsjahr 2020/21 markant angehoben wurde. Auch HPE stand damit auf den Verkaufslisten der Anleger. Wir bleiben zwar bullish für den amerikanischen Aktienmarkt. Aber wir sehen je länger je mehr deutliche Anzeichen einer Überhitzung, die sich in einem markanten Kursrutsch von 10% bis 15% abkühlen könnte.
Konklusion:
Wir sind noch nicht ins Lager der Marktbären gewechselt. Aber wir sehen durchaus Zeichen, dass der US-Aktienmarkt zu heiss gelaufen ist. Eine kräftige Zwischenkorrektur scheint nicht mehr ausgeschlossen.