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Jahr 2022

Fundamentale Analyse - USA

Markt interpretiert jede Nachricht als kurstreibend
Die Analysten der Bank of America Merrill Lynch haben in den vergangenen Tagen mit einer Analyse den Zustand an den Märkten treffend beschrieben. Bereits der Titel deutet an, dass sich die Aktienmärkte in einer fast schon euphorischen Stimmung befinden: „I‘m so bearish, I‘m bullish“, schreibt BoA-Strategist Micheal Hartman und trifft damit den Nagel auf den Kopf. Die US-Wirtschaft befindet sich angesichts der Coronakrise und den damit verbundenen Folgen für die Realwirtschaft in der schlimmsten Wirtschaftskrise seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Aber das ist für den Aktienmarkt ein ermutigendes Zeichen. Die Steuereinnahmen in den USA sinken je nach Bundesstaat zwischen 30% und 50%. Das Defizit der Kommunen könnte im worst- case-Szenario auf gut USD 1‘000 Milliarden steigen. Das Defizit der USA dürfte aufgrund der angekündigten Hilfsmassnahmen für Bevölkerung und Wirtschaft auf 25% des BIP anschwellen – es wäre der höchste Wert seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Damals lag das Defizit bei 27.5% des amerikanischen Bruttoinlandsprodukts. Die Geldflut der Fed in Höhe von USD 9‘000 Milliarden allein in diesem Jahr gleiche einer „Liquidity Supernova“, die so lange glühen wird, bis die Kernschmelze am Arbeitsmarkt deutlich abflache, so die BoA. Die Analysten prognostizieren, dass das Fed erst ab einer Arbeitslosigkeit von 5% (gegenwärtig mehr als 10%) das geldpolitische Feuerwerk abschwächen wird – oder die Inflation deutlich über 2% steigt. In der Summe führen die staatlichen, durch das Fed finanzierten Hilfsprogramme und das hohe Schuldenniveau der USA zu einer „Japanisierung“, welche den US-Dollar schwächen wird. Kurzum: Egal welche News derzeit von der Konjunkturfront kommen – sie werden am Markt als kurstreibend empfunden. Wären beispielsweise die jüngsten Arbeitsmarktzahlen deutlich schlechter ausgefallen als erwartet, hätte die Wall Street darauf gewettet, dass die Regierung und die Notenbank ihre Hilfsmassnahmen nochmals erhöhen. Dies hätte die ohnehin laufende Liquiditätsrallye an den Märkten nochmals beschleunigt. Wären die Daten deutlich besser ausgefallen als prognostiziert, so hätten die Marktteilnehmer die Fortsetzung der linearen Konjunkturerholung bejubelt. Ähnliches war bereits während der Finanzkrise zu beobachten. Auch damals galten schlechte Konjunkturnews als gute News für den Aktienmarkt. Doch es gibt einen Haken, der die gute Stimmung am Aktienmarkt schnell bodigen könnte: Denn steht ein Impfstoff für Covid-19 zur Verfügung, bricht dieses fragile Hausse-Gebilde zusammen und dürfte in einen Bärenmarkt umschwenken. Denn in diesem Fall muss damit gerechnet werden, dass die staatlichen Hilfsprogramme auslaufen, das Fed Liquidität vom Markt abzieht und der Leitzins schnell erhöht werden könnte, um eine drohende Inflation abzuwenden.

Konklusion:
Die von Liquidität getriebene Hausse dürfte sich noch einige Monate fortsetzen – inkl. kurzfristiger Rückschläge. Sollte Ende Jahr aber ein Impfstoff zur Verfügung stehen, droht ein böses Erwachen am Markt!