
US-Notenbank wird den Markt aber weiter mit Geld fluten
Die amerikanische Wirtschaft wird sich nicht schnell von der pandemiebedingten Schockstarre im Frühjahr 2020 erholen. Dies war die zentrale Botschaft der amerikanischen Notenbank Fed nach der jüngsten Sitzung des FOMC-Ausschusses. 2020 dürfte die US-Wirtschaft um 6.9% schrumpfen – dies ist schlecht, war aber zu erwarten. Doch vor allem die langfristigen Wachstumsprognosen der Fed mahnen zur Vorsicht. 2021 soll die US-Wirtschaft demnach „nur“ um 5% und 2022 gar nur um 3.5% wachsen. Dies ist eine enttäuschend schwache Prognose. Angesichts dessen wird die Fed den Leitzins noch auf Jahre nahe an der Null-Linie halten. Man denke noch nicht einmal daran, über eine Straffung der Geldpolitik nachzudenken, sagte der Fed-Chef Jerome Powell im Anschluss an die Sitzung. Auch am Arbeitsmarkt wird sich keine schnelle Erholung einstellen. Zwar gehen die Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe zurück. Aber noch immer beträgt die Arbeitslosenquote 13.3%. Zur Erinnerung: Anfang 2020 lag die Quote mit 3.5% auf dem tiefsten Stand seit mehr als fünf Jahrzehnten. Ende 2020 soll sich die Lage schrittweise verbessern – mit einer prognostizierten Arbeitslosenquote von 9.3% bewegt sich diese aber immer noch auf Höhe der Finanzkrise vor mehr als zehn Jahren. Erst 2021 und 2022 soll sich die Situation deutlich entspannen: Die Arbeitslosenquote soll sich kontinuierlich zunächst auf 5.5% Ende 2022 zurückbilden. Die Inflation soll nach Ansicht der Fed kein Problem darstellen. Ende 2020 wird eine Kerninflation von gerade 1% erwartet, welche sich bis 2022 unter der Zielmarke von 2.0% bewegen wird. Trotz dieser eher düsteren Aussichten und der panikartigen Reaktion der Märkte auf die Prognosen müssen Anleger den Kopf nicht hängen lassen. Denn das Fed wird die Märkte stützen – komme was wolle. Sie liess keinen Zweifel daran, dass sie Gewehr bei Fuss steht und gegebenenfalls nachlegen wird, was sie bereits zum Auftakt dieser Handelswoche tat. Das Fed wird in den nächsten Monaten weiter US-Staatsanleihen und hypothekenbesicherte Wertpapiere im gegenwärtigen Tempo aufkaufen. Aktuell heisst dies: Das Fed kauft monatlich Treasuries im Volumen von USD 80 Milliarden und hypothekenbesicherte Papiere in Höhe von USD 40 Milliarden. Die Geldschwemme wird also anhalten und die Märkte stützen. Zugleich behielt sich das Fed die Option offen, ihre Stützungsmassnahmen nochmals auszuweiten. Es sei möglich, dass das Fed und der Kongress mehr tun müssen, so Fed-Chef Powell. Wir haben in Ausgabe 22/2020 den Zusammenhang von steigenden Aktienkursen und der Bilanzausweitung aufgezeigt. Zwar mag dieser Effekt in den kommenden Wochen und Monaten abflachen. Am Grundeffekt dieser engen Korrelation dürfte sich hingegen nichts ändern. Entsprechend sollten Investoren ruhig Blut bewahren – erste Gewinnmitnahmen sind zwar angebracht. Ein hoher Cash-Anteil ist aber nicht gefragt!
Konklusion:
Das Fed sorgt mit den Prognosen für die US-Wirtschaft für einen Dämpfer. Anleger sollten jedoch gelassen bleiben und nur bei sehr gut gelaufenen Aktienpositionen Gewinne realisieren.