Rekordhohe Aktienrückkäufe treiben den Markt an
Während in Europa die Angst vor den Folgen des Brexits, die Furcht vor einer wieder aufflammenden Bankenkrise in Italien, die unabsehbaren wirtschaftlichen Folgen des Putschversuchs in der Türkei und nicht zuletzt auch die steigende Angst vor möglichen Terroranschlägen die Entwicklung an den Börsen hemmt, zeigen sich die amerikanischen Anleger von diesen Problemen unbeeindruckt. Jüngst trieben sie den marktbreiten S&P500 sowie den amerikanischen Leitindex Dow Jones Industrial Average auf Rekordhöhen. Der Boom an der Börse ist umso erstaunlicher, da die US-Unternehmen auch in der laufenden Berichtssaison keineswegs vor Optimismus strotzen. Vielmehr zieht sich die Gewinnrezession das fünfte Quartal infolge weiter. Auch das amerikanische Wirtschaftswachstum ist mit 2.5% auf Jahressicht zwar im Vergleich zu Europa ansprechend. Doch wer die US-Wirtschaftshistorie betrachtet, wird schnell feststellen, dass die Konjunkturerholung in den USA mit einer solchen Wachstumsrate eher blutleer ist. Die jüngste Rallye verdanken die US-Börsen sicher ihrem Status als sicherer Hafen – ein temporärer Effekt. Es stellt sich also die Frage, wie nachhaltig der Aufschwung ist. Um die stabile Kursentwicklung trotz der anhaltenden Gewinnrezession besser verstehen zu können, verweisen wir auf eine andere Zahl – nämlich USD 550 Milliarden. In diesem Umfang haben amerikanische Unternehmen in den vergangenen zwölf Monaten eigene Aktien zurückgekauft – ein in der bisherigen Börsengeschichte nie zuvor gesehenes Ausmass. Und wenn Unternehmen eigene Aktie kaufen, verknappen sie das Angebot am Markt, wodurch der Wert der einzelnen Aktie und somit der Aktienkurs steigt. Werthaltig ist der Anstieg jedoch nicht – es ist vielmehr ein Taschenspielertrick, der immer mehr Kritik heraufbeschwört. Bei Blackrock, dem grössten Vermögensverwalter der Welt, sieht man diese Praxis mit zunehmendem Argwohn. Zwar liessen sich die Aktienkurse durch die Rückkäufe steigern. Langfristige würde sich jedoch ein schädlicher Effekt einstellen. Denn wenn Unternehmen ihre Gewinne hauptsächlich dazu nutzen, um den eigenen Aktienkurs aufzuhübschen als in die operative Weiterentwicklung des Unternehmens zu stecken, dann ist dies ein schlechtes Zeichen. Langfristig könnte ein Unternehmen dadurch unter Druck geraten: Denn in Boomzeiten werden dann andere Unternehmen, die die gegenwärtige Phase zur Optimierung und Expansion des Unternehmens nutzen, die Nase vorn haben. Zugespitzt könnte man sagen: US-Unternehmen kaufen derzeit ihre eigenen Aktien, weil ihnen nichts Besseres einfällt, was sie mit ihrem Gewinn machen können. Berücksichtigt man zudem die hohe Bewertung amerikanischer Aktien, kann es eigentlich nur einen Schluss geben: Es gab schon bessere Zeitpunkte, um amerikanische Aktien zu kaufen. Noch profitieren die USA vom Status als sicherer Hafen – doch dieser Effekt wird nur von kurzer Dauer sein.
Konklusion:
Die US-Märkte profitieren als sicherer Hafen in stürmischen Zeiten. Entsprechend halten wir noch an der „Übergewichtung“ fest. Doch der Wind dürfte in nicht allzu ferner Zukunft drehen.