
Die Schutzschirme für die US-Wirtschaft sind gespannt
Fernsehauftritte der amerikanischen Notenbankchefs haben seit je her Seltenheitswert. Umso überraschender war vor wenigen Tagen der Auftritt von Fed-Chef Jerome Powell vor den TV-Kameras. Es zeigt, wie ernst die Lage in den USA momentan ist. In der Regel halten sich die mächtigsten Notenbanker der Welt mit öffentlichen Auftritten zurück – lediglich bei akademischen Fachkonferenzen oder den turnusmässigen Zinssitzungen des Offenmarktausschusses sieht man sie in der Öffentlichkeit. Letztmals trat Ben Bernanke vor mehr als zehn Jahren während der Finanzkrise vor die TV-Kameras. Powells Botschaft war Warnung und Beruhigungspille zugleich. Einerseits machte Powell deutlich, dass sich die US-Wirtschaft wahrscheinlich bereits im Abschwung und sogar in einer Rezession befinde. Die jüngst vorgelegten Daten zu den Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe sprechen für diese These. Denn diese stiegen in der Woche zum 21. März von 282‘000 auf rund 3.3 Millionen! Gemäss amerikanischen Medienberichten war dies der grösste wöchentliche Anstieg seit Beginn der Aufzeichnungen. Das öffentliche Leben steht mittlerweile vielerorts still. Gut die Hälfte der 330 Millionen US-Amerikaner unterliegt den von den Bundesstaaten verhängten Ausgangsverboten. Um die negativen wirtschaftlichen Folgen abzufedern, haben US-Regierung und US-Notenbank die Geldschleusen in einem bis dato für unvorstellbar gehaltenem Masse geöffnet. Und das muss noch nicht das Ende sein, wie Jerome Powell bekräftigte. „Wir versuchen eine Brücke zu schlagen in eine Zeit ökonomischer Stärke“, sagte der Fed-Chef. Zugleich bekräftigte er, dass der Notenbank „die Munition“ nicht ausgehen werde. Die Fed habe „noch Spielraum“ für weitere Massnahmen. Die Währungshüter seien bereit, überall dort einzugreifen, wo es bei Krediten klemme, so Powell. Auch die ohnehin bereits grenzenlos erscheinenden Wertpapierankäufe könnten bei Bedarf ausgeweitet werden, um das reibungslose Funktionieren der Märkte und die Umsetzung der Geldpolitik zu gewährleisten. Inwieweit dies alles eine Pleitewelle in der US-Wirtschaft verhindern kann, lässt sich angesichts der Einmaligkeit der Situation nicht mit Sicherheit sagen. Allerdings haben die Verantwortlichen alles getan, um die Folgen zu dämpfen. Nun gibt das Virus den Takt der Entwicklung in den USA an. Powell selbst zeigte sich überzeugt, dass die USA die Krise noch im Jahr 2020 überwinden werde. Er zeigte sich zuversichtlich, dass die US-Wirtschaft im späteren Jahresverlauf wieder wachse, wenn das Virus unter Kontrolle gebracht werde. Vielleicht sollte man es halten wie Burkhard Keese, Finanzvorstand des britischen Versicherungsmaklers Lloyd’s of London. Man sollte tun, was die Virus-Experten vorgeben. Und wenn dies weniger Wirtschaftswachstum bedeute, dann wachse die Wirtschaft eben mal drei Monate weniger. Danach werde es sich wieder normalisieren!
Konklusion:
Das Fed bekräftigt, die Coronakrise mit allen ihr zur Verfügung stehenden Mitteln zu bekämpfen. Nun gibt die Pandemie den Takt der Erholung vor!